Deadwood: Der dreckige wilde Westen

„Der Gute, der Böse und der Hässliche“ (The good, the bad and the ugly) – so lautete der Original-Titel des letzten Teils der Dollar-Trilogie. In Deutschland hieß dieses Meisterwerk des Italo-Westerns „Zwei glorreiche Halunken“. Glorreich kam in diesen Streifen allerdings niemand daher. Auch die Helden waren dreckig, unmoralisch und gewissenlos. Ein krasser Gegensatz zum John-Wayne-Western voller Edelmut, Tapferkeit und Hygiene.

Hygiene? Ein seltsames Stichwort für einen Western. Wer sich jedoch näher mit der Serie „Deadwood“ beschäftigt, sieht den Zusammenhang sofort. Der US-Bezahl-Sender HBO, der die Welt mit „Sex and the City“ beglückt hat, wagt es, das cineastisch gesehen mausetote Genre des Westerns wieder zu beleben – und zwar dreckiger als Clint Eastwood und Charles Bronson in ihren härtesten Zeiten. Doch trotzdem oder gerade deshalb ist „Deadwood“, in Deutschland als DVD-Box erhältlich, ein Tipp für Genre-Fans und Anhänger hervorragender Kulissen und glänzender schauspielerischer Leistungen.

Die Bühne von „Deadwood“ sind die Indianergebiete der Black Hills von South Dakota. General Custer hat gerade seine letzte Schlacht gegen die Sioux geschlagen. Da er dabei nicht besonders erfolgreich war, ist die Siedlung Deadwood generell nichts für Weicheier. Hier überleben nur die Härtesten, wobei sich dieses Attribut nicht nur auf ihre Schießkünste, sondern auch auf ihr Immunsystem bezieht. Denn in Deadwood ist alles dreckig. Die Straßen. Die Saloons. Und vor allem die Menschen – körperlich ebenso wie psychisch.

Es ist die Zeit des Aufbruchs und der Gier. Das reichste Goldvorkommen in der amerikanischen Geschichte zieht Abenteurer ins gesetzlose Niemandsland. Da wäre zum Beispiel Bordellbetreiber und Saloonbesitzer Al Swearengen. Er macht keinen Hehl daraus, was er in Deadwood will. Geld. Er nimmt die Goldsucher aus, die Spieler, die Händler und auch sonst jeden. Wer seinen Plänen im Weg steht, stirbt. Die für ihn anschaffenden Damen hält er wie Tiere und wirft sie den lediglich rudimentär zivilisierten Kunden vor. Für ihn ist Deadwood die Chance seines Lebens.

Dann wäre da Seth Bullock, ehemals Marshall in Montana. Er hat den Stern nieder gelegt, um mit seinem Partner in Deadwood einen Eisenwaren-Handel zu eröffnen. Bullock sieht auf den ersten Blick aus wie ein typischer Western-Gutmensch, und schnell ziehen kann er offenbar auch. Doch so richtig gut ist in Deadwood niemand. Schon die Eingangssequenz der ersten Deadwood-Folge macht das deutlich. Bullock, zu diesem Zeitpunkt noch Marshall, hält einen Pferdedieb in Gewahrsam. Als der Besitzer des Pferdes mit einer besoffenen Meute vor dem Gefängnis auftaucht und den Dieb lynchen will, hängt Bullock ihn kurzerhand selbst auf – schließlich ist nur er das Gesetz.

Deadwood hat auch Platz für typische Western-Legenden. Das legendäre Flintenweib Calamity Jane ist mit dabei, und auch Wild Bill Hickok, schießwütiger Revolvermann und Killer, landet im Goldsucherland. Hier hält sich Deadwood wie in vielen anderen Punkten auch an die Historie. Der echte Hickok wurde 1876 in Deadwood von Jack McCall getötet. Er schoss ihm von hinten in den Kopf.

Diese Rollen werden von ihren Darstellern nicht mit Stereotypen überhäuft, sondern mit Leben erfüllt. Nur selten muss ein Schuss fallen, wesentlich dramatischer sind die Charakter-Duelle mit Worten und Blicken. Hervorragendes Kino über die Grenzen des Western-Genres hinaus – auch wenn die Serie fürs Fernsehen produziert wurde.

Share

Call of Juarez (PC)


Django, lass die Kugeln fliegen.

Nachdem ich bereits auf der Games Convention einen Blick auf den Ubisoft-Western-Shooter „Call of Juarez“ werfen konnte, folg jetzt der Test der Verkaufsversion.

Der Ruf des Juarez ist frei ab 18 Jahren – quasi ein „Spiel mir das Lied vom Tod“ für Computer-Spieler. Was braucht ein richtig guter Italo-Western? Da wären: Duelle, Schießereien, Bar-Prügeleien, möglicherweise auch ein paar Explosionen – und den düsteren Rächer.

„Call of Juarez“ hat all dies und setzt es mit Techlands „Chrome“-Engine in 3D-Shooter-Manier sehr ansprechend um. Auch eine der schwierigsten grafischen Aufgaben für Programmierer – sich bewegendes und ausbreitendes Feuer – ist im Paket mit drin. So gut wie jedes Objekt lässt sich benutzen, bewegen oder zerstören.

Neben dem düsteren Rächer braucht der Italo-Western natürlich noch eine tragische Basis-Story. Auch an diese haben die Macher von „Call of Juarez“ gedacht, und sie präsentieren diese Story sogar aus zwei Sichtweisen.

Denn in der Solo-Kampagne übernimmt der Spieler die Rolle von zwei gegensätzlichen Charakteren, die jeweils über unterschiedliche Waffen und Kampfstile verfügen. Der junge Taugenichts Billy hat aufgrund der ewigen Streitereien mit seinem ruppigen Stiefvater die heimischen Gefilde verlassen und will zum Startzeitpunkt der Spiel-Story nach Jahren wieder mal daheim vorbeischauen. Doch dort erwarten ihn nur Tod und Schrecken, er findet seine Familie ermordet vor.

Genau zu diesem Zeitpunkt trifft Protagonist Nummer zwei auf der Bühne des Geschehens ein. Reverend Ray, der Bruder von Billys Stiefvater und zudem ehemaliger Revolverheld, widmet sich zwar mehr der Bibel als dem Colt, doch als er seinen Bruder und dessen Frau ermordet sieht, wird er zum bereits erwähnten düsteren Rächer. Leichen pflastern fortan seinen Weg. Pech für Billy, denn der schießwütige Reverend hält ihn für den Mörder und ist deshalb hinter ihm her.

Zwar ist die grafische Gewalt in der deutschen Version leicht entschärft worden, trotzdem gibt’s das Spiel nur für Erwachsene. Das Gameplay profitiert von den beiden unterschiedlichen Sichtweisen. Der Spieler kontrolliert abwechselnd Billy, der ständig auf der Flucht ist und versucht, seine Unschuld zu beweisen, und den fanatischen Reverend Ray, der sich an Billy rächen will. So kommen Tempo und Freude auf. Dieses ständige Umschalten ist erfreulicherweise nicht verwirrend, sondern motivierend, denn wer „Call of Juarez“ spielt, will vom ersten Moment an unbedingt wissen, wie die Geschichte ausgeht. Und das ist für das Shooter-Genre eher untypisch.

Der Mehrspieler-Modus profitiert ebenfalls von der Western-Atmosphäre. Via Lan oder Internet können Spieler gemeinsam Züge überfallen oder Postkutschen ausrauben.

Share

Titan Quest (PC)


Nimm diesen, Gerippe!

Hydras, Zyklopen und Zentauren – die griechische Mythologie ist für epische Heldendichtung ebenso hervorragend geeignet wie für komplikationslose Unterhaltung. Mit Dichtung hat das Rollenspiel Titan Quest von THQ nicht viel zu tun, dafür umso mehr mit Action.

Der Spieler steuert seine Figur – je nach Wahl männlich oder weiblich, Haudrauf oder magieaffiner Intelligenzbolzen – durch Monster-Horden aus der griechischen und ägyptischen Sagenwelt und erliegt dabei dem Suchtprinzip, den gesteuerten Charakter immer weiterzuentwickeln, immer mächtiger zu machen und immer besser auszurüsten.

Die ständige Suche nach der härteren Rüstung und dem mächtigeren Schwert, deren Vorbild die inzwischen legendären beiden Diablo-Teile sind, drängt die ohnehin rudimentäre Story in den Hintergrund. Die Titanen – uralte Götter – sind ihrem ewigen Gefängnis entflohen, um Tod und Verderben über die Welt zu bringen.

Es liegt – natürlich – am Spieler, die uralten Götter wieder zu verbannen. Und deshalb klickt er sich in zoombarer Schräg-von-oben-Sicht durch Monsterhorden und herrliche Landschaften mit sehr vielen Details. Titan Quest führt beispielsweise zum Parthenon, dem Labyrinth von Knossos, den großen Pyramiden und den Hängenden Gärten von Babylon. Am Ende besteigt der einsame Held sogar den Olymp.

Das große Plus dieses Titels ist der Spielfluss. Es gibt keine Hänger, Brüche, Leerläufe oder Sackgassen. Der Anschluss an den nächsten Teil der Hauptgeschichte ist immer problemlos zu finden. Wer ab und zu vom Weg abweicht, findet viele Neben-Quests. Die Physik-Engine lässt es krachen: Während der Kämpfe donnert und blitzt es, die Gegner fliegen durch die Luft. Action pur eben. Taktische Finesse gibt es nicht, die Parole lautet „Schlag drauf und Schluss“. Ein Mausklick besiegelt das Schicksal der Gegner per Schlag oder Zauber.

Wer schon Diablo, Sacred oder Dungeon Siege gespielt hat, beherrscht die Steuerung sofort. Die schiere Masse der Monsterhorden zwingt den Spieler allenfalls, nicht immer frontal anzugreifen, sondern nach Guerilla-Taktik zuzuschlagen, sich zurückzuziehen und dann wieder zu attackieren.

Mit jedem Levelaufstieg verdient der Spieler drei Talentpunkte, die er in die Fertigkeiten seiner Figur investieren kann. Es gibt insgesamt acht Meisterschaften, zwei davon kann die Figur erlernen. Zur Auswahl stehen: Kriegsführung, Verteidigung, Gaunerei und Jagd sowie Erd-, Sturm-, Natur- und Geist-Magie. Diese Meisterschaften können beliebig kombiniert werden. Kleinere Mängel wie das viel zu kleine Inventar ohne Sortier-Automatik ändern nichts am Spielspaß. Schade nur, dass keine gerenderten Zwischensequenzen für noch mehr Atmosphäre sorgen.

Titan Quest ist ein typisches Beispiel für ein Spiel, das man nur mal fünf Minuten bis zum nächsten Level zocken will – und vor dem man dann bis morgens um zwei vor dem Monitor hängt.

Share