Die Reise der Pinguine

Die Antarktis ist der lebensfeindlichste Raum des Planeten. Durch diese eisige Hölle ziehen alljährlich die Kaiserpinguine zu ihren Brutplätzen. Bei Temperaturen von bis zu minus 40 Grad und Stürmen, die brüllend mit 250 Stundenkilometern übers Eis rasen, kämpfen die Pinguine ums Überleben und den Fortbestand ihrer Spezies.

Der Franzose Luc Jacquet und sein Team haben die Pinguine ein Jahr lang beobachtet und gefilmt. Die Dokumentation „Die Reise der Pinguine“ ist die Verfilmung eines biologischen Wunders, illustriert durch herrliche Landschaftsaufnahmen. Außerdem ist der Oscar-prämierte Film die erfolgreichste Doku, die je in deutschen Kinos lief. Kinowelt bringt den harten Kampf der Kaiserpinguine als Single und Special Edition auf DVD.

Es scheint tatsächlich ein Wunder zu sein, dass die Pinguine ihre Brutplätze überhaupt orten und erreichen können. Die Antarktis ist wahrhaftig kein Ort für Spaziergänge, und an Land sind die Pinguine ebenso beweglich wie ein englischer Butler mit zwei vollen Tabletts auf den Armen. Wochenlang marschieren die Karawanen durch die weiße und tödliche Landschaft. Und wenn sie ihre Brutplätze tatsächlich erreicht haben, fangen die Probleme erst an.

Denn dann ist Paarungszeit. Das Weibchen legt nur ein einziges Ei, übergibt dieses dem Männchen und wandert danach zum Meer zurück, um endlich wieder Nahrung zu finden. Denn an den Brutplätzen gibt es nur Schnee, der den Tod durch Verdursten verhindert. Schon diese Übergabe ist ein Meisterstück der Koordination, denn ist das Ei nur wenige Sekunden ungeschützt den mörderischen Temperaturen ausgesetzt, hat der sich darin befindende Nachwuchs keine Chance. Das Männchen brütet das Ei aus, Madame kommt vom Ozean zurück und nimmt Junior wieder unter ihre Fittiche, was ein zweites Mal meisterhafte Koordination erfordert. Dann ist Papa dran und darf zum Essenfassen Richtung Ozean wandern.

Luc Jacquet war sich darüber im Klaren, dass das Dasein der Kaiserpinguine, so faszinierend es aus biologischer Sicht auch ist, nicht die Dramaturgie eines abendfüllenden Films besitzt. Also verlieh er seinen Hauptdarstellern Stimmen und ließ sie selbst von ihrem harten Leben, den Gefahren und Strapazen erzählen. Das Ergebnis ist beste und bewegende Unterhaltung, lehrreich und familientauglich. Übrigens: Die Dreharbeiten dauerten auch deshalb so lange, weil Jacquet die Pinguin-Kolonie nicht erschrecken oder aus ihrem Rhythmus bringen und damit den Nachwuchs gefährden wollte.

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Silent Hill

Wenn Unschuldige durch die Hölle gehen: Rose (Radha Mitchell) sucht ihre Tochter.

Die Hölle ist eine subjektive Angelegenheit, lehrt die klassische Schauer- und Horror-Literatur von Dantes Inferno bis zu Clive Barker. Jeder erlebt seine persönliche, eigene Hölle – ein logisches Konzept, denn jeder definiert die Schrecken der Hölle anders. Der eine schmort im ewigen Feuer und wird von einer gehörnten Gestalt mit einem Dreizack gepiekst, der andere muss immer wieder einen Stein einen Berg hinauf rollen. Im sicheren Bewusstsein, dass er kurz vor Erreichen des Gipfels wieder herunterrollt.

Die Subjektivität der Hölle ist auch das zentrale Thema von Silent Hill, im Verleih von Eurovideo vor kurzem auf DVD erschienen. Der Zuschauer kann sofort wieder vergessen, dass Silent Hill ursprünglich ein Computerspiel war und der Film erst später kam. Denn Silent Hill ist ein völlig eigenständiger, hervorragend gemachter Horror-Film mit einer wahrhaft düsteren Geschichte, die noch erschreckender ist als die drastischen Bilder.

Der Inhalt: Roses (Radha Mitchell) Adoptivtochter Sharon (Jodelle Ferland) wird von schrecklichen Albträumen geplagt. Sie schlafwandelt, bringt sich dabei in Lebensgefahr und ruft immer wieder den Namen eines mysteriösen Ortes namens Silent Hill. Gegen den Willen ihres Mannes Christopher (Sean Bean) fährt Rose mit Sharon nach Silent Hill, um die Ursache der Albträume herauszufinden. Kurz vor dem Ziel verliert sie jedoch die Kontrolle über ihren Wagen und verursacht einen Unfall, durch den sie in eine tiefe Ohnmacht fällt. Als Rose wieder erwacht, ist Sharon spurlos verschwunden.

Doch wo genau ist Rose wieder erwacht? Sie hat die Kleinstadt Silent Hill gefunden, das beweist das Ortsschild. In einem düsteren Zwielicht liegt das Städtchen verlassen da, und vom Himmel fällt Asche. Darüber könnte man sich natürlich wundern, aber Rose denkt nur an ihre kleine Tochter und macht sich auf die Suche – die sie direkt in die Hölle führt. Denn Silent Hill ist als Erscheinungsform der Hölle hervorragend geeignet.

Nach und nach erfährt der Zuschauer, dass der kleine Ort früher eine Bergwerksstadt war, bis ein gigantisches Feuer ausbrach und die meisten Einwohner tötete. Heute ist Silent Hill Sperrgebiet, denn die unterirdischen Feuer wüten noch immer und verpesten die Luft an der Oberfläche. Je tiefer Rose in Silent Hill eindringt, um so deutlicher wird klar, dass hier Dinge geschehen, die wesentlich schlimmer sind als ein Grubenfeuer. Auf ihrer Suche nach Sharon trifft Rose auf monströs deformierte Wesen und überlebt nur durch die Hilfe von Polizistin Cybil (Laurie Holden), die es ebenfalls in die Höllen-Stadt verschlagen hat.

Die beiden taffen Frauen schlagen und ballern sich durch, doch als sie das kleine Mädchen inmitten einer Gruppe anderer Überlebender – so scheint es zumindest – finden, wird Silent Hill endgültig zur Hölle. Und auch für die Unschuldigen gibt es keinen Ausweg mehr. Silent Hill ist ein klassischer Horror-Film mit dem Verlust der Unschuld als zentralem Thema. Die Bildersprache ist jedoch absolut modern, mitreißend und zutiefst erschreckend – nicht aufgrund der gezeigten Gewalt, die eher eine Nebenrolle spielt, sondern wegen hervorragender Darsteller und einer Story, die auf typische Horror-Klischees verzichtet und durch ihre Konsequenz – es gibt kein Happy End – beeindruckt.

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Mission Impossible III

Es muss doch wirklich total frustrierend sein, von seinem Arbeitgeber ständig mit Aufträgen bombardiert zu werden, deren Erfüllung eigentlich unmöglich ist. Tom Cruise ist das gewohnt. Zum dritten Mal tritt er als Agent Ethan Hunt zur Mission Impossible an.

Paramount hat die Verleih-DVD am 5. Oktober veröffentlicht, die Verkaufs-Versionen (Single und Special Edition) folgen am 23. Oktober.

Die dritte unmögliche Mission bietet genau die Spezialitäten, die auch bereits die Teile eins und zwei zu Erfolgen werden ließen. Der Film lässt es krachen, die Action ist in der Tat bombastisch. Dazu kommen über den gesamten Globus verteilte Szenarien von Berlin über den Vatikan bis nach Shanghai und die höchste Trumpfkarte dieses Films – der Bösewicht, der Boss-Gegner, die Nemesis des Hauptdarstellers. Philip Seymour Hoffman spielt den sadistischen Waffenhändler Owen Davian absolut überzeugend und erinnert an die großen Bond-Gegner in den besten Zeiten der 007-Serie. Hoffman bekam 2005 den Oscar für seine Darstellung des Truman Capote – absolut zu Recht.

Doch zurück zu den unmöglichen Aufgaben des Tom Cruise. Diese sind inzwischen persönlicher Natur, denn Waffenhändler Davian hat es aus Rache auf Ethan Hunts Verlobte abgesehen – und außerdem natürlich auf eine ernste Störung des Weltfriedens, von der er enorm profitieren würde. Wieder einmal steht der arme Hunt vor quasi unlösbaren Problemen. Doch er hat Hilfe. Da wäre die Technik – die Gadgets des Ethan Hunt können auch James-Bond-erfahrene Zuschauer noch überraschen. Außerdem arbeitet Hunt nicht allein, in seinem Team findet man sowohl Lawrence Fishburn als Vorgesetzten und den genialen Hacker Luther, gespielt vom riesenhaften Ving Rames.

Keine Frage: Weder die Story noch die Dialoge gehören zu den zentralen Stärken dieses Spektakels. Dafür punktet Mission Impossible III mit soliden und spektakulären Action-Szenen und der herrlichen Abstrusität eines sinistren Bösewichts, der die Sicherheit der Welt bedroht. Der Charme des Films steht und fällt natürlich mit der Meinung, die der Betrachter von Tom Cruise hat. Wenn man aber die Scientology-Kiste mal ausblendet, landet man bei unterhaltsamem und Genre-typischem Popcorn-Kino.

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Company of Heroes (PC)

Die Schlachtfelder des Zweiten Weltkriegs werden oft zum Hintergrund eines Shooters (Call of Duty, Medal of Honor) oder eines Strategie-Titels (Panzers). Dass eine damals wie heute furchtbare Realität zur Unterhaltungs-Grundlage wird, steht zu Recht im Mittelpunkt vieler Diskussionen – eine grundsätzliche Frage, die dieser Test nicht abschließend klären kann und will. Nur so viel: Wer Kriegs-Spiele auf Computer und Konsole ablehnt, muss konsequenterweise auch „Verdammt in alle Ewigkeit“ oder „Der Soldat James Ryan“ ächten und darf diese Streifen nicht als Klassiker oder Meisterwerke feiern. Denn auch sie sind pure Unterhaltung.

Company of Heroes konzentriert sich auf die Kämpfe in der Normandie. Der Spieler kontrolliert die Einheiten und Fahrzeuge der amerikanischen Able-Kompanie. Es ging Entwickler Relic weder um eine realistische Darstellung der Schlachten noch um eine ultrakomplexe und bis ins kleinste Detail authentische Spielstruktur – zum Glück. Denn dadurch ist Company of Heroes ein Strategie-Hit geworden, der nicht unnötig kompliziert daher kommt. Zur Erinnerung: Relic hat auch Dawn of War entwickelt, das beste Strategie-Spiel aus dem Warhammer-Universum.

Das Dawn-of-War-Prinzip hat Relic auch für Company of Heroes genutzt. Der Spieler muss ins feindliche Territorium vordringen, dort Kontrollpunkte erobern und diese verteidigen. Nur dann fließen die Ressourcen Treibstoff, Munition und Arbeitskraft, die zum Bau von Gebäuden und zur Aufstellung von Einheiten benötigt werden, stetig auf das Spieler-Konto.

So weit also nichts Neues. Dennoch ist Company of Heroes der bisher beste Strategie-Titel vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs – denn die Gefechte sind bombastisch und sehr fordernd strukturiert. Die Physik ist grandios – ob es sich um fliegende Trümmer oder zerballerte Häuser handelt. Nebel und Rauch verdecken einzelne Attacken. Die Animationen der Infanterie-Einheiten sind unglaublich detailliert. Die Notwendigkeit, Kontrollpunkte zu erobern und zu halten, sorgt wie auch schon bei Dawn of War für einen dynamischen Missionsverlauf. Der Spieler kann sowohl siegreiche Einheiten befördern als auch selbst als Kommandeur Erfahrungspunkte sammeln. Einziger Minuspunkt: Eine motivierende Story gibt es nicht.

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Paraworld (PC)

 

Menschen und Dinosaurier standen sich niemals Auge in Auge gegenüber. Kein Speerträger musste jemals vor einem geifernden Tyrannosaurus fliehen, nie wurde ein Höhlenmensch von einem tobenden Brontosaurus in den Boden gestampft. Die Filmindustrie hat diese Tatsache schon oft ignoriert und den hohen Unterhaltungswert der Kolosse von Godzilla bis zu Jurassic Park ausgiebig ausgenutzt. Im Spiele-Business war es jedoch bislang recht still um die Saurier, und im Genre der Echtzeit-Strategie spielten sie überhaupt keine Rolle. Bis jetzt. Paraworld von SEK macht die Dinos zu den Stars eines grafisch herausragenden und in Sachen Gameplay, Atmosphäre und Balance sehr guten Strategie-Titels.

Computer-Strategen, die mit Warcraft über Dawn of War bis zu Company of Heroes (Test siehe unten) schon quasi alle Strategie-Szenarios von der Fantasy-Welt mit Orks und Elfen bis zu den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs erlebt haben, werden über die Vorteile der Dino-Kriegsführung nicht lange nachdenken müssen. Ein Triceratops, der die Lager des Gegners schnaubend zerstampft. Ein Tyrannosaurus, der zähnefletschend die generische Vorhut dezimiert. Ein Brachiosaurus, der hervorragend als Transport für eine Einheit Bogenschützen geeignet ist. Da kommt doch Freude auf.

Nun machen Dinos allein noch kein gutes Spiel aus. Das war Entwickler SEK offenbar bewusst. Deshalb packte er noch eine atmosphärisch dichte Story dazu – auch wenn sie recht abstrus anfängt. Die drei Hauptdarsteller und Forscher Anthony Cole, Sina Holmlund und Bela Benedek werden von einem Geheimbund entführt, der sie aber nicht etwa in ein feuchtes Verlies verfrachtet, sondern in einer Parallelwelt mit real existierenden Dinos ablädt. Was das alles soll, klärt sich im Laufe des Spiels in vielen Zwischensequenzen. Story und Gameplay greifen effektiv ineinander, wenn die drei Forscher Kontakte mit den Völkern der Dino-Welt herstellen. Das Nordvolk, die Wüsten-Reiter und der Drachen-Clan operieren mit völlig unterschiedlichen Strategien und Taktiken – von der Konzentration auf eine feste Basis mit starken Verteidigungsanlagen bis zum Nomaden-typischen „Schlag zu und renne schnell“. Die 40 dargestellten Dinos werden dabei quasi zu militärischen Nutztieren. Dabei werden die dicken Brocken zu den Stars des Spiels. Auch der als längster Saurier aller Zeiten geltende Seismosaurus, ein 80 Tonnen schwerer und 34 Meter langer Koloss, spielt mit und kann ganze Armeen vom Bildschirm fegen.

Die 16 Missionen der Solo-Kampagne laufen sehr linear ab. Gegen Ende kann sich der Spieler für ein bestimmtes Volk entscheiden, was natürlich die Motivation mit sich bringt, jenes Ende aus Sicht der jeweils anderen Völker nochmal erleben zu wollen. Der Spieler kann seine Truppen nach einem Sieg befördern, die drei Forscher entwickeln Spezialfähigkeiten. Die Spielgeschwindigkeit ist regelbar, man kann auch im Pausenmodus Befehle geben, die Menüführung ist sehr übersichtlich.

Paraworld ist nicht leicht, provoziert aber keine unnötige Frustration. Der Computer agiert schnell und aggressiv. Wer nach alter Echtzeit-Manier erstmal in Ruhe seine Basis ausbauen und Einheiten aufstellen will, wird überrannt. Der Multiplayer-Modus ist mit jeder Menge Komfort ebenso attraktiv wie die Solo-Kampagne.

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NHL 07 (PC)

 

Action und Tempo auf dem Eis: NHL 07 von Electronic Arts.

Innerhalb der großen Sportspiel-Riege von Electronic Arts (EA) haben die Puckjäger der NHL einen großen Vorteil vor den oben getesteten Fifa-Fußballern: NHL hat keine Konkurrenz. Es gibt keine Eishockey-Simulation auf dem PC, die dem EA-Produkt gefährlich werden könnte. NHL 07 muss sich nicht wie Fifa 07 an der Leistungsfähigkeit eines starken Konkurrenten wie Pro Evolution Soccer messen lassen. Der Nachteil: Da die NHL-Serie schon seit Jahren auf einem extrem hohen Niveau spielt, gibt es keine großen Unterschiede mehr zwischen den im Jahresrhythmus erscheinenden neuen Versionen.

So stellt sich die Frage: Muss jemand, der vor einem Jahr NHL 06 gekauft hat, jetzt noch einmal investieren und NHL 07 haben? Doch diese Frage ist rein subjektiv, jeder Spieler und Käufer muss sie für sich entscheiden. Dieser Test konzentriert sich dagegen auf die Stärken und Schwächen von NHL 07. Natürlich sind die Stärken in der Überzahl, NHL ist auch in der 2007-Fassung ein herausragendes Computer-Eishockey. Das grafisch ausgezeichnet in Szene gesetzte Spiel mit Original-Teams aus der amerikanischen NHL ist blitzschnell und dynamisch. Angriff und Verteidigung gehen fließend ineinander über. Animationen und Aktionen der Spieler vom Bodycheck bis zum Torjubel sind wie immer großartig umgesetzt.

Das schnelle Tempo wird auch durch die insgesamt vereinfachte Darstellung des Eishockey-Sports möglich. Es geht bei NHL 07 um Action, nicht um Taktik. Das kann man kritisieren, sollte dabei aber bedenken, dass die gesamte Spiele-Industrie vom Ego-Shooter bis zur Echtzeitstrategie mit derartigen Vereinfachungen arbeitet. Schließlich soll ein Spiel Spaß machen und den Spieler nicht in einen die Übersicht verlierenden Choleriker verwandeln.

Die Puck-Physik wurde ebenso wie die Ballphysik in Fifa 07 verbessert, der kleine Schwarze rast glaubwürdig übers Eis. In der Defensive spielt der Computer nicht überzeugend, NHL-Veteranen sind hier unterfordert. Die Steuerung wurde überarbeitet: Zum Schießen und Passen dient jetzt der rechte Analog-Stick des Gamepads. Wer will, kann die alte Steuerung beibehalten, die bereits in NHL 06 sehr gut funktioniert hat. Wer die Open-Ice-Steuerung einsetzt, überlässt den Spieler mit dem Puck dem Computer und läuft sich mit einem anderen Spieler frei.

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Fifa 07 (Alle Systeme)

 

Endlich werden Ball und Spieler getrennt berechnet: Fifa 07.

Momentan weckt Sönke Wortmanns meisterhafte WM-Doku wieder das Fußballfieber in Deutschland, das „Sommermärchen“ treibt den Fans die Tränen in die Augen – eine bessere Ausgangslage hätte sich Branchenriese Electronic Arts (EA) für den Verkaufsstart von Fifa 07 nicht aussuchen können. Seit den 90ern war der Computer-Fußball von EA das Maß aller Dinge, bis vor drei Jahren in Gestalt von Pro Evolution Soccer ernsthafte Konkurrenz auftauchte. Und gerade die Stärke dieses Konkurrenzproduktes – die herausragende Ballphysik – haben die Programmierer in der Version 2007 der Fifa-Serie völlig neu gelöst.

Der Stürmer zieht ab. Der Ball donnert gegen die Latte, springt dann gegen das Knie eines Verteidigers. Von dort segelt die Kugel gegen die Brust des Stürmers an den Innenpfosten und kullert langsam ins Netz. Tore dieser Art, auch wenn sie in der Realität nicht jeden Spieltag vorkommen, gehören zum Fußball – und deshalb gehören sie auch zu einer guten Fußball-Simulation.

In den bisherigen Fifa-Spielen gab es solche Szenen jedoch nicht. Das lag an der Programmstruktur. Spieler und Ball wurden bisher immer als Einheit berechnet, was den Ball logischerweise an solchen Kunststücken wie dem eben beschriebenen hinderte. In Fifa 07 hat die Kirsche aber eine eigene, vom Spieler getrennte Physik, was sich sofort deutlich bemerkbar macht.

Der Fifa-Fußball macht dadurch einen Riesenschritt nach vorne und wird zur ernsthaften Simulation. Der ballführende Spieler legt sich die Kugel in realistischer Weise beim Sturmlauf weit vor. Dribblings oder Tricks erfordern eine sehr gutes Zusammenspiel zwischen Auge und Controller. Zieht der Stürmer schließlich an oder im Strafraum ab, kommt es darauf an, wie er zum Ball steht, welcher sein starker Fuß ist und ob er den Kasten überhaupt richtig sieht. Sehr viel öfter als in früheren Fifa-Spielen geht der Ball drüber oder daneben, wenn Faktoren wie diese nicht beachtet werden.

Atmosphärisch ist Fifa 07 so stark wie immer. Noch echter kann Computer-Fußball nicht sein. 27 lizenzierte Ligen, 510 Vereinsmannschaften, 43 Nationalteams – dieses Angebot ist einzigartig. Es ist mittlerweile normal und dem heutigen Stand der Technik angemessen, dass man viele Stars auch an ihren Gesichtern erkennt.

Der 2006 neu präsentierte Manager-Modus wurde in der aktuellen Fifa-Version beibehalten – ein Glück, denn er ist die höchste Motivation für Solo-Spieler. Als Manager übernimmt man eines der 510 Teams oder gründet einfach ein eigenes, kümmert sich um Aufstellung, Training, Sponsoren, Werbeverträge und natürlich die Spiele. Auf der Titelseite der Sun kann man nachlesen, was von den eigenen Manager-Leistungen zu halten ist – hervorragend gelöst.

Es gibt auch Anlass zur Kritik: Die Menüführung ist in einzelnen Fällen umständlich. Spieler mit Ball laufen ebenso schnell wie Spieler ohne. Der Computer spielt in der Offensive zumeist sehr dilettantisch. Trotzdem ist Fifa 07 grundsolider Fußball am Bildschirm mit hohem Spaß- und Motivationsfaktor. Die neue Ballphysik bringt die Serie deutlich voran. Ob Pro Evolution Soccer 6 es besser macht und vor allem die bisher absolut katastrophale Menüführung endlich optimiert hat, wird ein Test demnächst zeigen. Bis dahin kann der Ball bei Fifa 07 rollen.

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Lego Star Wars II (PC)

 

Die Idee klingt recht infantil, vorsichtig formuliert: LucasArts und Activision packen die ursprünglichen drei Star-Wars-Episoden IV, V und VI (Krieg der Sterne, Das Imperium schlägt zurück und Die Rückkehr der Jedi-Ritter) in ein 3D-Actionspiel, dessen Figuren, Kulissen, Umgebungen, Raumschiffe und sonstige Bestandteile nur aus Lego-Teilen bestehen. Ist Lego Star Wars II demnach, was keineswegs schlimm wäre, nur ein Spiel für Kinder im Lego-fähigen Alter? Von wegen. Lego hin oder her, für Star-Wars-Fans ist dieses Spiel eine tolle Geschichte.

Der Spielwitz ist hier das Geheimnis des Erfolges. Ist es möglich, Darth Vader, die imperialen Sturmtruppen, Prinzessin Leia oder den goldenen Droiden C3PO als Lego-Männchen nachzubauen? Klar. Die Darstellung entbehrt dann nicht einer gewissen Situationskomik, die aber absolut gewollt ist.

Der Niedlichkeits-Faktor wird dadurch verstärkt, dass die kleinen Sternenkrieger nur in einem unverständlichen Kauderwelsch reden, dass man aus den vielen Ablegern von „Die Sims“ kennt. Gleichzeitig staunt man, wie wandlungsfähig die Lego-Gesichter sind. Um im Lego-Jargon zu bleiben: Der Spieler übernimmt die Bemühungen der Rebellenallianz, das Galaktische Imperium in seine Einzelteile zu zerlegen und die Galaxis neu aufzubauen. Alle legendären Momente der drei Filme sind dabei: Darth Vader nimmt Prinzessin Leia gefangen, Luke Skywalker schließt sich den Rebellen an, Vader tötet Obi-Wan Kenobi, der Todesstern explodiert, Han Solo gerät in die Klauen von Jabba the Hut, die Rebellen verlieren die Schlacht in der Eiswüste Hoth, und schließlich endet die Ära des Imperiums im legendären Showdown über dem Waldmond Endor.

Die Charaktere können Fahrzeuge benutzen und wieder verlassen oder mit Reittieren die Gegend unsicher machen. Der Spieler kann Teile von über 50 spielbaren Charakteren mischen und kombinieren und damit Millionen verschiedener Helden erschaffen. Man kann die klassische Geschichte auch verändern und Darth Vader zum Rebellen-Helden machen. Ironie spielt hier eine große Rolle, wirkt aber nie destruktiv.

Witz und Stimmung passen also. Die gute Nachricht: Das Gameplay passt ebenfalls. Die Levels sind intelligent aufgebaut, die Star-Wars-Welt wird bis ins kleinste Detail korrekt simuliert. Mit Gamepad oder Tastatur werden die Figürchen aus der Schulterperspektive durch die 3D-Umgebung gesteuert. Mit Lichtschwert oder Laserpistole werden die Gegnerscharen zerblasen, gelegentlich muss man auch leichte Schiebe-Rätsel lösen oder nicht besonders leichte Sprungeinlagen meistern.

Da es sich um ein Original-Star-Wars-Spiel handelt, schmettert der legendäre Soundtrack von John Williams aus den Boxen, und auch die Sounds sind original vom Zischen der Laser bis zum Summen der Lichtschwerter. Die Spezial-Fähigkeiten der Figuren tragen zum hohen Spielwitz bei. Prinzession Leia verteilt Ohrfeigen im Nahkampf, Chewbacca kugelt Gegnern die Arme aus, und die Jedi bewegen riesige Lego-Teile mit Hilfe der Macht .

Zwischen- und Scriptsequenzen treiben die Handlung voran und den Humor auf den höchsten Level. Selten gab es so viel zu lachen bei einem Actionspiel. Nach etwa zwölf Spielstunden hat man alles gesehen und sein Zwerchfell enorm strapaziert.

Lego Star Wars II hat sogar die Nominierung für den Deutschen Kindersoftwarepreis 2006 erhalten. Dieser wird morgen um 13 Uhr auf der Frankfurter Buchmesse im Kinder- und Jugendbuchforum verliehen. Außerdem ist das Spiel ein enormer Verkaufserfolg: In einer Woche wurden nach Unternehmensangaben mehr als 1,1 Millionen Einheiten des Multiplattform-Spiels abgesetzt.

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