Hammer Horror Box

Man sollte schlecht gelaunte ägyptische Prinzessinnen besser in Frieden ruhen lassen: „Das Grab der blutigen Mumie“.

Die Hammer-Studios sind eine Legende in der Welt des Film-Horrors – eine Legende, die bedauerlicherweise und vollkommen unverdient in Vergessenheit geraten ist. Denn die Horrorfilme, die von Hammer in London in den 60ern und frühen 70ern produziert worden sind, gehören zu den absoluten Klassikern, haben eine Generation von Kinogängern gleichzeitig erschreckt und begeistert und sind auch heute noch absolut sehenswert. Kinowelt präsentiert vier Hammer-Klassiker in einer DVD-Box: „Das Grab der blutigen Mumie“ (Blood from the Mummy’s Tomb), „Frankensteins Schrecken“ (The Horror of Frankenstein), „Dracula – Nächte des Entsetzens“ (Scars of Dracula) und „Nur Vampire küssen blutig“ (Lust for a Vampire).

Schon die Titel sagen deutlich aus, was man vor fast vier Jahrzehnten unter dem Thema „Horror“ verstanden hat. Damals lagen die absoluten Tabubrecher noch in der Zukunft. Der Kinogänger wurde noch nicht mit Aliens konfrontiert, die sich durch ihre bedauernswerten Opfer hindurchfressen („Alien“), und auch George A. Romeros drastisches Werk „Die Nacht der lebenden Toten“ (Night of the living Dead, 1968) war nur ein wenigen Insidern bekannter Geheimtipp und noch Lichtjahre vom heutigen Weltruhm entfernt. Stichworte wie Slasher (Freitag der 13., Halloween) oder Splatter (Dawn of the Dead) waren noch unbekannt.

 

Er ging oft in Flammen auf, zerfiel zu Asche und kam doch immer wieder: Mit der Rolle des Dracula wurde Christopher Lee unsterblich.

Die Filmemacher orientierten sich in dieser Zeit an den Eckpfeilern des antiken Horror-Kinos, die bereits seit den 20ern und 30ern ihr Publikum fanden: Das Monster von Frankenstein. Die Mumie. Die Kreatur aus der schwarzen Lagune. Und an der Spitze der Horror-Hitparade: Dracula. Mit der Darstellung des Königs der Blutsauger wurde Christopher Lee unsterblich. Falls jemand übrigens die Horror-Filme dieser Ära aufgrund ihres Alters für harmlose Kindergeburtstage halten sollte, der sei gewarnt: Bei Hammer ging es hart zur Sache. Die Streifen sind auch heute noch frei ab 16.

Die vier Filme der Hammer-Horror-Box sind typische und deshalb absolut kultige Vertreter ihrer Epoche. Der beste Film der Box ist ganz eindeutig „Dracula – Nächte des Entsetzens“, in der Christopher Lee zu schauriger Hochform auflief. Der Inhalt ist dabei eigentlich irrelevant und auch vorhersehbar: Simon Carlson macht sich gemeinsam mit seiner Verlobten Sarah auf die Suche nach seinem Bruder Paul, der auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Pauls Spur führt in das abgelegene Schloss des Grafen Dracula, der eine außergewöhnliche Vorliebe für frisches Menschenblut entwickelt hat. Die mörderischen Absichten des untoten Aristokraten werden bald offensichtlich. Der Film lebt nicht von der halbseidenen Story, sondern von seinen starken Einzelszenen. Wenn Lee die Zähne blitzen lässt, kommt Freude auf.

Fazit: Hammer-Filme hatten wohl nie eine Chance, den Drehbuch-Oscar zu gewinnen, sind aber ein Stück Zeitgeschichte für Cineasten und schlagen locker 80 Prozent der heute aktuellen geist- und niveaulosen Brutalo-Produktionen aus dem Rennen.

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Deutschland. Ein Sommermärchen.

Klinsi, der Motivator: „Die stehen mit dem Rücken zur Wand. Jungs, ich schwör’s euch, die packen wir.“

Philipp Lahms herrliches Eröffnungstor gegen Costa Rica. Oliver Neuvilles Treffer in letzter Sekunde gegen Polen. Das großartige Viertelfinale gegen Schweden mit einem entfesselten Lukas Podolski. Der Elfmeter-Krimi gegen Argentinien und das tränenreiche Halbfinale gegen den späteren Weltmeister Italien. Stationen und Momentaufnahmen der Fußball-WM 2006.

Einen solchen Sommer hatte Deutschland nicht erwartet. Der Kampfgeist der deutschen Fußball-Nationalelf bei der WM entfachte eine unglaubliche Begeisterung in den Stadien und auf den Straßen ebenso wie in den Kneipen und Wohnzimmern. Millionen von Fans fieberten mit der Mannschaft, aber keiner war näher dran als Sönke Wortmann.

Mit seiner Handkamera folgte der Regisseur den WM-Helden bis in die Kabine, filmte Klinsmanns mitreißende Motivationsansprachen, die Freudenfeiern, aber auch die Tränen der Spieler nach dem verlorenen Halbfinale. Das Ergebnis ist ein intimes und emotionales Porträt einer Mannschaft und ihres Trainers, die für einen Traum über sich hinauswuchsen.

Rund vier Millionen Kino- und über zehn Millionen Fernsehzuschauer ließen sich von „Deutschland. Ein Sommermärchen“ begeistern und machten den im Auftrag des WDR produzierten Sönke-Wortmann-Film zur erfolgreichsten Dokumentation, die je in Deutschland gezeigt wurde. Doch auch wer diesen Film im Kino gesehen, im Fernsehen aufgezeichnet und mittlerweile geradezu auswendig gelernt hat, sollte einen Blick auf die DVD-Special-Edition von Kinowelt werfen.

Die beiden Scheiben glänzen mit einer Fülle bisher unveröffentlichten Bonusmaterials. Allein über 105 Minuten nicht verwendeter Szenen verraten, was der Film offen ließ. Ein Audiokommentar von Sönke Wortmann und Bastian Schweinsteiger, Bilder der Kinopremiere, ein Beitrag über die Trainingsvorbereitungen der deutschen Nationalmannschaft und vieles mehr lassen jeden Fan voll auf seine Kosten kommen.

Die offenen Aussagen der Spieler, die sich extrem vom üblichen Nach-dem-Spiel-Interview („Wir müssen jetzt ganz klar den Blick nach vorne richten“ und andere verbale Luftnummern) abheben, kennzeichnen das „Sommermärchen“.

So hört man beispielsweise Michael Ballack zum ersten Mal unverblümt sagen, dass er beim Eröffnungsspiel gerne gespielt hätte und sich fit gefühlt hätte, aber die Ärzte und Trainer anderer Meinung waren.

Als besonderes Extra enthält die Special Edition eine Originalkopie des Zettels, den Torwart Jens Lehmann beim Einzug der Deutschen Nationalmannschaft ins Halbfinale in seinem Stutzen trug. Das kostbare Stück Papier wurde von der EnBW Energie Baden Württemberg AG zur Verfügung gestellt, die es am 16. Dezember 2006 zugunsten der Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ ersteigert hatte.

Auch Kinowelt setzt sich mit der DVD für das Wohl von Kindern ein. Mindestens ein Euro jeder verkauften DVD wird der gemeinsamen Event-Kampagne der SOS-Kinderdörfer und der FIFA, „6 Dörfer für 2006“, zu Gute kommen.

Fazit: Im Fall des „Sommermärchens“ ist dort, wo Special Edition draufsteht, auch tatsächlich eine Special Edition drin. Diese DVD erweitert den bereits im Kino und/oder Fernsehen erlebten Film deutlich und gehört in das Archiv eines jeden Cineasten, der sich auch nur entfernt für Sport oder Dokumentationen interessiert. Am besten stellt man die Box im Regal gleich neben das „Wunder von Bern“.

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Unendliche Weiten: Star-Trek-Special

Ich gebe es zu: Ich bin Trekkie. Schon immer gewesen. Spock würde jetzt sagen: „Vor diesem Hintergrund ist eine Analyse des Star-Trek-Kultes auf DVD die logische Konsequenz.“ Na denn: Beam me up, Scotty. Hier hätten wir schon mal die Voyager.

 

1. Die Serien

„Der Weltraum. Unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise.“ Am 27. Mai 1972 waren diese Worte zum ersten Mal im ZDF zu hören. „Raumschiff Enterprise“ schien damals nur eine von vielen US-Serien zu sein, noch dazu mit einem relativ simplen Thema: Ein Raumschiff reist mit mehrfacher Lichtgeschwindigkeit durch den Kosmos und hat den Auftrag, fremde Welten und Zivilisationen zu erforschen.

Doch „Star Trek“, so der Original-Titel der Serie, löste einen weltweiten Kult aus. Sechs Serien (eine davon ist eine grottige Zeichentrick-Serie, die hier nicht auftauchen wird) und zehn Kinofilme spielten in den letzten vier Jahrzehnten im Star-Trek-Universum.

„Raumschiff Enterprise“ (Star Trek: The original Series) wurde in den USA von 1966 bis 1969 ausgestrahlt. Es gab 79 Folgen. ZDF (1972 bis 1974) und SAT 1 (ab 1985) zeigten die deutschen Fassungen. Die Besatzung repräsentierte mehrere ethnische Gruppen – das war zur Entstehungszeit der Serie ungewöhnlich, da die politischen Verhältnisse in den USA durch Rassismus und den Kalten Krieg geprägt waren. Damals eine Fernseh-Revolution: „Raumschiff Enterprise“ zeigte den ersten Kuss eines Weißen und einer Farbigen.

„Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“ (The next Generation) wurde von 1984 bis 1997 ausgestrahlt. Es gab 178 Folgen mit wesentlich mehr Action als in der Vorgängerserie. Ebenfalls im Vordergrund standen Moral und Ethik. Die Serie gilt als eine der bedeutendsten Fernsehproduktionen überhaupt mit Zuschauerzahlen, die man in diesem Bereich nie für möglich gehalten hätte. Die neue Enterprise setzte die Mission der alten fort und suchte den Kontakt mit neuen Zivilisationen. Vor allem der Brite Patrick Stewart überzeugte als neuer Captain (siehe auch „Charaktere“).

„Deep Space Nine“ lief in 176 Episoden von 1993 bis 1999. Die Serie spielte auf einer Raumstation, im Mittelpunkt standen Kriege und Konflikte. Der Ton wurde härter im Star-Trek-Universum. Deep Space Nine wurde zum zentralen Schauplatz eines galaktischen Krieges, der viele Opfer forderte. Der Gegner der Sternenflotte, die sich mit den Klingonen und später sogar den Romulanern verbündete, waren Gestaltwandler, die sich eine eigene Krieger-Rasse, die Jem’Hadar, herangezüchtet hatten.

„Voyager“ zeigte zwischen 1995 und 2001 in 172 Folgen den sieben Jahre dauernden Heimweg des Forschungsschiffs Voyager, das zu Beginn der Serie von einer außerirdischen Macht 70 000 Lichtjahre in den unbekannten Raum geschleudert wurde und Wege finden musste, wieder die Erde zu erreichen. Zum ersten Mal führt eine Frau, Captain Kathryn Janeway, das Kommando.

„Star Trek: Enterprise“ ist zwar die jüngste Serie (2001 bis 2005), spielt aber zeitlich vor der ersten Enterprise. Nach 98 Folgen wurde die Serie eingestellt.

Captain Jean-Luc-Picard und die Crew der „Next Generation“:

 

2. Die Charaktere

James T. Kirk war der Captain der Enterprise, mit der alles begann. Kirk , gespielt von William Shatner, war die in US-Produktionen immer schon sehr beliebte Verkörperung des Heldentums: Waghalsig, spontan und mit einer Kopf-durch-die-Wand-Mentalität ging er Probleme und Konflikte an und beendete diese als strahlender Sieger. Über Regeln und Gebote seines Arbeitgebers, der Sternenflotte, setzte sich Kirk dabei oft hinweg.

Spock war Kirks erster Offizier und Wissenschaftsoffizier. Das von Leonard Limoy genial gespielte Spitzohr ist elementarer Bestandteil des Star-Trek-Kults. Spock hat als Halb-Vulkanier Logik und Präzision zur absoluten Maxime erhoben und unterdrückte alle Emotionen. Charakteristisch für ihn war der Kommentar „faszinierend“ in Verbindung mit dem Hochziehen einer Augenbraue.

Jean-Luc Picard übernahm das Kommando über die nächste Generation. Captain Picard, gespielt vom britischen Shakespeare-Experten Patrick Stewart, war Chef an Bord verschiedener Varianten der Enterprise in der Serie „The next Generation“ und in vier Star-Trek-Filmen. Picard war das Gegenteil von Kirk. Wesentlich verantwortungsbewusster und rationaler, dabei immer sowohl den Regeln der Sternenflotte als auch den generellen Gesetzen der Ethik und Moral folgend, ging er die Dinge an.

Benjamin Sisko war Captain der Raumstation „Deep Space Nine“ in der gleichnamigen Serie. Er hatte ein wesentlich härteres Leben als Kirk und Picard. Schon im Pilotfilm verlor er seine Frau in einer Schlacht gegen die Borg (siehe auch „Rassen und Kriege“). Deep Space Nine wurde von zwei schweren Kriegen erschüttert. Außerdem wurde Sisco von einer außerirdischen Intelligenz als Gesandter ausgewählt und musste am Ende der Serie sein Dasein als Mensch schließlich aufgeben.

Kathryn Janeway war Captain der Voyager und damit die erste Frau, die im Star-Trek-Universum ein Schiff in einer Serie leiten durfte. Janeway war streng, und absolut konsequent, ihre Selbstdisziplin war legendär. Ihre höchste Priorität während der sieben Jahre dauernden Heimreise der Voyager war die Sicherheit ihrer Crew, die sie als Familie sah.

Und hier ein Borg. Widerstand ist zwecklos.

 

3. Rassen und Kriege

Die verschiedenen Versionen der Enterprise und vor allem die Voyager dringen in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Die Kreaturen, auf die sie dabei stoßen, sind mittlerweile ebenso Kult wie die menschlichen Hauptdarsteller.

Ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen die Klingonen. Das kriegerische und absolut cholerische Volk mit den Reißzähnen und ausgeprägten Stirnpartien lebt nur für den Kampf und die Ehre. Die Klingonen treten in allen Star-Trek-Serien auf. In „Deep Space Nine“ kommt es zum blutigen Krieg mit der Sternenflotte, doch meist sind beide Parteien Verbündete.

Noch gefährlicher sind die Borg . Dieses Volk von cybernetischen Organismen kennt keine Individuen. Alle sind über das Kollektiv miteinander verbunden, es gibt weder eine eigene Identität noch ein Bewusstsein für den Einzelnen. Die Borg überfallen andere Rassen und „assimilieren“ sie, indem sie deren Mitglieder durch Maschinen-Implantate ebenfalls in Borg verwandeln und somit ihr Wissen aufnehmen. Typische Aussage: „Widerstand ist zwecklos“.

Die Borg sind die extremste Bedrohung aller freien Welten und stehen ständig mit den „Guten“ im Star-Trek-Universum in Konflikt. Legendär ist die Schlacht zwischen den Borg und der Sternenflotte bei Wolf 359 in „The Next Generation“. Nur vereinzelt kommt es zu temporären Allianzen: Captain Janeway tritt in der vierten Staffel von „Voyager“ gemeinsam mit den Borg gegen Spezies 8472 an, die aus einem Parallel-Universum kam. Im Verlauf dieser Allianz nimmt Voyager die Borg-Drohne Seven of Nine auf, die als kleines Mädchen assimiliert wurde und mit Hilfe der Voyager-Crew nach der Trennung von den Borg ihre Menschlichkeit zurückgewinnen will. Seven of Nine wurde zu einer der populärsten Star-Trek-Figuren.

4. Star Trek auf DVD

Sollte es jemanden geben, der sich zwar generell für Science Fiction interessiert, aber aufgrund einer Verkettung enorm unwahrscheinlicher Zufälle noch keine einzige Star-Trek-Folge gesehen und auch von den Filmen keine Notiz genommen hat – dann befindet sich dieser Jemand in einer geradezu beneidenswerten Position. Denn die DVD-Boxen von Paramount Home Entertainment gehören in Erscheinungsbild und Ausstattung zweifellos zu den Höhepunkten des Heimkino-Marktes.

„Raumschiff Enterprise“, die erste aller Star-Trek-Serien, ist in drei Boxen (blau, gelb und rot) erhältlich. Zum Bonus-Material gehören exklusive Interviews mit den Schauspielern und Machern, Spiele, Reportagen und Dokumentationen.

„The next Generation“ verteilt seine 178 Folgen auf sieben silberne Hartboxen. Schon die Menüstruktur jeder einzelnen DVD ist pure Star-Trek-Atmosphäre, denn sie ist grafisch den Kommando-Panels der Enterprise angepasst. Zu den Extras gehören speziell produzierte Interviews und Berichte.

 

„Deep Space Nine“ und „Voyager“ folgen diesem Beispiel. Jede Serie wartet mit sieben schönen DVD-Boxen auf. „Deep Space Nine“ erscheint in dunkelblau, „Voyager“ in knalligem Rot. Auch hier gibt es die originellen Menüs und die aufwändigen Extras. Bild und Ton sind überdurchschnittlich, wobei man „The next Generation“ das höhere Alter ansieht. Bisher ist es keinem anderen Produzenten gelungen, Serien in einem optisch derart reizvollen und inhaltlich überzeugenden Format zu präsentieren. „Star Trek: Enterprise“ wurde trotz des geringeren Erfolges ebenso aufwändig in vier Boxen veröffentlicht. In den Fan Collectives wurden die per Internet ermittelten Lieblingsfolgen der Fans zu einzelnen Themen (Klingonen, die Borg, Zeitreisen) zusammengefasst.

 

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