Guitar Hero Rocks the 80s (PlayStation 2)

Lass es krachen: Zur Playlist gehören Hämmer wie „Wrath Child“ von Iron maiden und „Holy Diver“ von Ronnie James Dio.

Als „Guitar Hero“ kam, war plötzlich alles anders. Das von Harmonix entwickelte Spiel, Publisher ist Red Octane, gab dem Spiele-Business im Jahr 2006 den effektivsten Innovations-Schub der letzten zehn Jahre. „Guitar Hero“ macht den Spieler zum Rockstar, versetzt ihn auf eine Bühne vor tobenden Fans – und liefert ihm die dazu notwendige E-Gitarre gleich mit. Während weltweit Fans gespannt auf den mittlerweile dritten Teil warten, erfreut ein schlagkräftiges Zwischenspiel die Herzen aller Konsolen-Gitarristen. „Guitar Hero Rocks the 80s“ präsentiert für die Playstation 2 Charaktere im neuen Outfit und eine Playlist mit unsterblichen Gitarren-Klassikern aus den 80ern.

Das Spielprinzip bleibt simpel. Der Gitarren-Controller ist der klassischen Gibson SG nachempfunden. Er ist ausgestattet mit fünf farbigen Tasten am Gitarrenhals, einem Anschlagschalter (Strum Bar) und einem Tremolo. Damit können es die Spieler mit Sounds, Riffs und Akkorden krachen lassen, während sie von einer virtuellen Rockband begleitet werden. Selbst die Gitarren-Haltung wird vom Controller registriert, denn senkrechtes Spielen wird in bestimmten Spielsituationen mit Style-Boni belohnt. Während der Song läuft, muss der Spieler im richtigen Moment die vom Programm in Form eines virtuellen Laufbands angezeigten Tasten drücken.

„Guitar Hero“ räumte zahllose Preise ab, wurde weltweit zum Riesenerfolg und verwandelte viele Wohn- und Computerzimmer in Rock-Arenen. Die Bedienung hat – natürlich – mit dem virtuosen Gebrauch einer echten Gitarre nichts zu tun, simuliert den Umgang mit dieser aber derart perfekt, dass „Guitar Hero“ zum Party-Spiel schlechthin geworden ist.

Und jetzt landet der Gitarren-Held in den 80ern. „Guitar Hero Rocks the 80s“ ist nicht der offizielle dritte Teil der Serie, der sich um „Legends“ drehen soll, sondern eine Art Appetizer exklusiv für die kleine Playstation.

Der Spieler findet optisch reizvolle Retro-Rock-Bühnen, Charaktere im 80er-Look und vor allem 30 Songs aus dem Jahrzehnt der unendlich scheinenden Leichtigkeit des musikalischen Seins.

Wer in dieser Zeit Teenager war, wird die Songauswahl richtig zu schätzen wissen. Der aktuelle „Guitar Hero“ präsentiert Juwelen, an die sich heute nicht mehr viele erinnern, die aber damals vor Energie und innovativer Kraft vibrierten. Ronnie James Dio, der Knirps mit der Riesenstimme, und sein Debüt „Holy Diver“ gehört dazu. „Balls to the Wall“ von den deutschen Metallern „Accept“ und ihrem Sänger Udo „Die Kreissäge“ Dirkschneider ist mit dabei. Wer hat Anthrax und „Caught in a Mosh“ noch im Ohr? Ein nur aus Sechzehnteln bestehendes Hammer-Werk, das jedem „Guitar Hero“-Spieler alles abverlangen wird.

Etwas braver, aber keineswegs schlechter war „Heat of the Moment“ von Asia. Und wer ein wenig mehr in die New-Wave-Richtung tendiert, wird mit „A Flock of Seagulls“ (das war mal ein genialer Bandname) und „I ran“ bestens bedient.

Doch in erster Linie wird „Guitar Hero Rocks the 80s“ die Metaller-Herzen erfreuen. „Wrath Child“ von Iron Maiden, „Electric Eye“ von Judas Priest, „Metal Health“ von Quiet Riot – damit kann man schon mal einen Abend verbringen.

Das Spiel ist inklusive Gitarre für 79,99 Euro im Handel. Wer bereits einen der ersten beiden Teile und damit auch den Controller besitzt, kann das Spiel auch getrennt für 45,99 Euro erwerben.

Übrigens: „Guitar Hero III: Legends of Rock“ soll in den nächsten Wochen erscheinen. Der Frontmann von „Poison“, Bret Michaels, wird auf der virtuellen Bühne als Leadsänger auftreten. Damit bietet die Guitar-Hero-Reihe den Fans zum ersten Mal die Chance, nicht mit anonymen Gesichtern, sondern mit einem echten Rock-Promi aufzutreten. Und wer einen Blick auf die Songliste wirft, wird es kaum noch abwarten können, zum Gibson-Controller zu greifen: Mit dabei sind Black Sabbath (Paranoid), Metallica (One) und die beste britische Metal-Band aller Zeiten: Iron Maiden (The Number of the Beast).

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Deadwood

Der Marshall von Deadwood: Seth Bullock (Timothy Olyphant).

Ein fähiger Regisseur hat die Chance, sein Werk – ob Film oder Serie – zu einem auf Drama und Unterhaltung getrimmten, aber dennoch nachvollziehbaren und nicht allzu weit hergeholten Abbild der Realität zu machen. In keinem anderen Genre haben die Filmemacher von Howard Hawks bis zu Sergio Leone in diesem Punkt so deutlich versagt wie im Wilden Westen. Weder der edle Revolvermann John Wayne noch der eiskalte Killer Clint Eastwood hatten eine Verbindung zur Realität. Leichen pflasterten ihre Wege, und die Bühnen ihrer Auftritte waren lieblos dahingepflasterte Saloons oder Westernstädte.

Das alles war jedoch derart gut gemacht, dass niemand etwas von einem Realitätsbezug wissen wollte. Die Dollar-Trilogie, Spiel mir das Lied vom Tod, Rio Bravo und El Dorado – all das war ganz großes Kino. Umso mehr muss der Mut eines Senders bewundert werden, der den Western-Mythos ganz anders anpackt. Der US-Bezahlsender HBO präsentiert mit „Deadwood“ eine aus drei Staffeln bestehende Serie, in der Drama und Realitätsnähe enger verbunden sind als jemals zuvor in einem Western. Paramount Home Entertainment hat „Deadwood“ in Deutschland in drei DVD-Boxen veröffentlicht.

Die Bühne von „Deadwood“ sind die Indianergebiete der Black Hills von South Dakota. Hier überleben nur die Härtesten, wobei sich dieses Attribut nicht nur auf ihre Schießkünste, sondern auch auf ihr Immunsystem bezieht. Denn in Deadwood ist alles dreckig. Die Straßen. Die Saloons. Und vor allem die Menschen – körperlich ebenso wie psychisch.

Den strahlenden Helden der John-Wayne-Ära gibt es nicht mehr. Seth Bullock versucht zwar, als Marshall für Ordnung zu sorgen, ist aber den Strukturen der auf Mord, Gier und Gewalt basierenden Gesellschaft ebenso ausgeliefert wie der über Leichen gehende Saloon- und Bordell-Besitzer Al Swearengen. Anstatt sich gleich in der ersten Folge gegenseitig über den Haufen zu schießen, tragen diese beiden Charakterköpfe ihren Konflikt über drei Staffeln hinweg aus – mit herausragenden schauspielerischen Leistungen.

Natürlich wird auch gezogen und geschossen, das Tempo der Handlung und die greifbare Atmosphäre von Hass und Gewalt sind jedoch deutlich fesselnder als jede fliegende Kugel. „Deadwood“ ist eine der seltenen Perlen in der riesigen Menge der US-Serien

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