Deadwood

Der Marshall von Deadwood: Seth Bullock (Timothy Olyphant).

Ein fähiger Regisseur hat die Chance, sein Werk – ob Film oder Serie – zu einem auf Drama und Unterhaltung getrimmten, aber dennoch nachvollziehbaren und nicht allzu weit hergeholten Abbild der Realität zu machen. In keinem anderen Genre haben die Filmemacher von Howard Hawks bis zu Sergio Leone in diesem Punkt so deutlich versagt wie im Wilden Westen. Weder der edle Revolvermann John Wayne noch der eiskalte Killer Clint Eastwood hatten eine Verbindung zur Realität. Leichen pflasterten ihre Wege, und die Bühnen ihrer Auftritte waren lieblos dahingepflasterte Saloons oder Westernstädte.

Das alles war jedoch derart gut gemacht, dass niemand etwas von einem Realitätsbezug wissen wollte. Die Dollar-Trilogie, Spiel mir das Lied vom Tod, Rio Bravo und El Dorado – all das war ganz großes Kino. Umso mehr muss der Mut eines Senders bewundert werden, der den Western-Mythos ganz anders anpackt. Der US-Bezahlsender HBO präsentiert mit „Deadwood“ eine aus drei Staffeln bestehende Serie, in der Drama und Realitätsnähe enger verbunden sind als jemals zuvor in einem Western. Paramount Home Entertainment hat „Deadwood“ in Deutschland in drei DVD-Boxen veröffentlicht.

Die Bühne von „Deadwood“ sind die Indianergebiete der Black Hills von South Dakota. Hier überleben nur die Härtesten, wobei sich dieses Attribut nicht nur auf ihre Schießkünste, sondern auch auf ihr Immunsystem bezieht. Denn in Deadwood ist alles dreckig. Die Straßen. Die Saloons. Und vor allem die Menschen – körperlich ebenso wie psychisch.

Den strahlenden Helden der John-Wayne-Ära gibt es nicht mehr. Seth Bullock versucht zwar, als Marshall für Ordnung zu sorgen, ist aber den Strukturen der auf Mord, Gier und Gewalt basierenden Gesellschaft ebenso ausgeliefert wie der über Leichen gehende Saloon- und Bordell-Besitzer Al Swearengen. Anstatt sich gleich in der ersten Folge gegenseitig über den Haufen zu schießen, tragen diese beiden Charakterköpfe ihren Konflikt über drei Staffeln hinweg aus – mit herausragenden schauspielerischen Leistungen.

Natürlich wird auch gezogen und geschossen, das Tempo der Handlung und die greifbare Atmosphäre von Hass und Gewalt sind jedoch deutlich fesselnder als jede fliegende Kugel. „Deadwood“ ist eine der seltenen Perlen in der riesigen Menge der US-Serien

Share

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*