Nintendos Wii: Der Test

Seit dem Verkaufsstart des Wii Ende 2006 müsste in den Vorstands-Etagen von Nintendo eine Dauer-Party laufen. Der japanische Konzern, der zu den Veteranen des Videospiel-Geschäfts gehört und mit dem hüpfenden Klempner Mario in den 80ern eine der bekanntesten Ikonen der elektronischen Unterhaltung prägte, hat bewiesen, dass Hardware-Gigantomanie allein kein Erfolgsgarant ist. Die Verkaufszahlen des Wii sind fast dreimal so hoch wie die der Playstation 3, die sogar einen Blu-Ray-Player mitbringt, und übertreffen auch die Xbox 360 deutlich.

Das hinter dem Wii stehende Erfolgskonzept nennt sich „Blue Ocean Strategy“. Nintendo verzichtet komplett auf das technische Hochrüsten und den Wettbewerb mit Sony und Microsoft. Stattdessen wollen die Väter von Mario und Donkey Kong den Markt auf neue Zielgruppen ausdehnen und Menschen an die Konsole locken, die bisher mit Videospielen nichts anfangen konnten. Familien-freundliche und größtenteils gewaltfreie Inhalte und eine ebenso einfache wie genial andersartige Steuerung sollen das Spielen zum gemeinsamen Erlebnis im heimischen Wohnzimmer machen. Das hat funktioniert.

Das Wii wurde innerhalb kürzester Zeit zur Familien- und Party-Konsole. Die dabei zum Einsatz kommenden Spiele haben eine simple und für Einsteiger freundliche Struktur sowie die Nintendo-typische niedliche Optik gemeinsam. Wer sich die Frage stellen sollte, wieso virtuelles Bowling, Golf oder Tennis in Zeiten von bunten und bombastischen Hardware- und Grafik-Monstern wie „Crysis“ (Electronic Arts) oder „Assassin’s Creed“ (Ubisoft) zeitgemäße Software-Unterhaltung sein sollen, der soll einmal den Wii-Controller in die Hand nehmen.

Denn während der Spieler bei Sony und Microsoft Knöpfe drücken und Analog-Sticks bewegen muss, um seine Figur zu steuern, muss der Wii-Spieler nur den Controller selbst bewegen. Das Spielsystem misst dabei die dreidimensionalen Bewegungen des Nutzers. Das heißt: Wenn auf dem Wii Tennis gespielt wird, muss der Spieler mit dem Controller in der Hand ausholen und zuschlagen – fast genau so, wie er es auf einem realen Tennisplatz tun würde, nur mit etwas weniger Gewalt. Sonst landet der Wii-Controller möglicherweise im Fernsehschirm oder am Kopf des Gegenspielers. Genauso funktioniert Bowling: Weit nach hinten ausholen, leicht in die Hocke gehen und den Arm nach vorne schwingen. Alle Neune! Derart real war noch kein Videosystem vorher. Nimmt man das zweite anschließbare Steuergerät, „Nunchuck“ genannt, in die andere Hand, kann man auch zum virtuellen Boxkampf herausfordern. Das System kann Haken von Schwingern und Schlägen in die Magengrube gut unterscheiden. Wer komplexere Spiele sehen will, wird ebenfalls bedient, und es gibt auch einige Ab-18-Titel. Die wirken auf dem Wii aber wie eine Schrotflinte in den Händen von Knut, als er noch niedlich war.

Das hätten die leidenschaftlichen Baller-Spieler, Echtzeit-Taktiker, Rollenspiel-Experten und generell Grafik-Fetischisten dieser Welt nie für möglich gehalten: Spaß ohne Ende ohne Full-HD, ohne Dolby Digital 5.1, ohne fotorealistische und quasi-reale virtuelle Welten. Nintendo bewies in der Konzeption des Wii enormen Mut und große Weitsicht. Das Ergebnis sind astronomische Verkaufszahlen und eine weltweit begeisterte Fan-Gemeinde. Kritik-Punkte am Rande sind die manchmal doch sehr infantile Optik und die spartanische Technik, die noch nicht einmal DVDs abspielen kann. Das konnte sogar schon die Playstation 2. Trotzdem: Das Wii ist jetzt schon Kult, die Steuerung geht in die Geschichte ein. Ein Probespiel lohnt sich.

Prozessor : Das Herz des Wii ist eine Power-PC-CPU mit dem Codenamen Broadway. Sie wurde gemeinsam mit IBM entwickelt. Der zusätzliche Grafik-Prozessor wurde von ATI entwickelt.

Medien: Das Laufwerk spielt ein- oder doppelschichtige optische Discs im Zwölf-Zentimeter-Standardformat sowie Nintendo Game-Cube-Discs mit acht Zentimetern Durchmesser ab. Handelsübliche DVDs kann das Wii jedoch nicht lesen und daher keine Filme abspielen.

Speicher: Das Wii verfügt über einen internen 512 Megabyte-Flash-Speicher, zwei USB 2.0 Ports und eine integrierte Wi-Fi-Funktion. Ein Steckplatz für eine SD Memory Card (Speicherkarte) erlaubt den Spielern, den internen Flash-Speicher zu erweitern.

Preis: Die Standard-Variante des Wii kostet 249 Euro. Zubehör ist separat erhältlich.

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Assassin’s Creed: Der perfekte Attentäter

 

Sind die Erinnerungen unserer Vorfahren in unseren Genen abgespeichert? Die Animus-Theorie des Schweizer Psychologen Carl Gustav Jung (1875 bis 1961) ist die inhaltliche Basis einer der teuersten und aufwendigsten Spiele-Produktionen aller Zeiten: „Assassin’s Creed“

Desmond Miles ist nicht besonders gut drauf. Kein Wunder: Er ist ein Gefangener in einem Labor, durch dessen Panorama-Scheibe man die Skyline einer anonymen Großstadt sieht. Desmond weiß nur eines: Er ist der direkte Nachfahre eines mordsgefährlichen Burschen, der im Jahre 1191 während des Dritten Kreuzzugs im Heiligen Land aktiv war – als Attentäter. Die Erinnerungen dieses Mannes sind in Desmonds Genen gespeichert, und der „Animus“, ein an einen Kernspin-Tomographen erinnerndes Gerät, kann diese Erinnerungen aktivieren und wieder erlebbar machen.

Und deshalb muss Desmond in die Haut seines Vorfahren schlüpfen – bis die geheime Gesellschaft, für die der dröge Professor arbeitet, das gefunden hat, was sie sucht. „Die Welt zerfleischt sich selbst, Mr. Miles. Gier, Neid, Korruption und Verrohung richten sie zugrunde. Wir retten die Welt vor sich selbst, und zwar durch Sie.“

So beginnt „Assassin’s Creed“ und zieht den Spieler in ein innovatives Spiele-Konzept. Die Matrix trifft den Medicus. Die kurzen Zwischen-Sequenzen, in denen man Desmond Miles nach den Gründen seiner Gefangennahme suchen lässt, sind dramaturgische Randnoten ohne spielerischen Wert. „Assassin’s Creed“ beginnt erst dann wirklich, wenn Desmond auf dem „Animus“ Platz nimmt und die Erinnerungen seines Vorfahren nacherlebt. Ab diesem Punkt gleitet auch der Spieler ins Jahr 1191 zurück – mitten in den Krieg zwischen Christen und Moslems. König Richard Löwenherz steht im Kampf mit Salah ah-Din, dem größten Helden der muslimischen Welt. Desmonds Vorfahre heißt Altair, ein ständig mit Kutte und Kapuze in Erscheinung tretender Attentäter. Ein Meister im Kampf mit und ohne Waffen, der Fassaden und Dächer schneller erklimmt als Spider-Man. Mordsgefährlich eben, aber zu Beginn des Spiels auch mordsdämlich. Aus Arroganz und Selbstüberschätzung versiebt er einen wichtigen Auftrag, wird von den Tempel-Rittern besiegt und anschließend vom Meister seiner Bruderschaft entehrt und degradiert.

Es gibt nur einen Weg, seine Ehre wieder herzustellen. Neun Namen stehen auf einer Liste. Neun Menschen. Neun Ziele. Altair muss sie alle ausschalten. Doch der Attentäter tötet weder willkürlich noch gewissenlos. Jedes dieser Ziele ist eine wichtige Schaltfigur im Krieg, und ihre Eliminierung soll ein Ende der Feindschaft zwischen Christen und Moslems bewirken. Der Assassine bewegt sich in der lebendigsten aller virtuellen Welten. Ubisoft Montreal hat die Städte Akkon, Damaskus und Jerusalem grafisch und atmosphärisch atemberaubend umgesetzt und sie mit Passanten, Predigern, Händlern, Bettlern, Soldaten und Partisanen gefüllt. An jeder Ecke wird gehandelt, gestritten, getratscht. Altairs Aktionen haben immer einen direkten Einfluss auf seine Umgebung. Die Zweifel des Attentäters werden immer stärker. Sind seine Ziele wirklich böse Menschen, Kriegsgewinnler, Waffenhändler und Sklavenjäger? Oder hat man ihn bewusst in die Irre geführt? Mit jedem erledigten Ziel auf die Liste der neun Namen steigen Spannungskurve und atmosphärische Dichte an. Das Spiel ist für Xbox360 und Playstation 3 erhältlich. Eine PC-Version ist in Vorbereitung.

Die Simulation einer lebendigen Welt war noch nie so überzeugend. Der Assassine hat völlig Entscheidungsfreiheit, wie er seine Attacken vorbereitet und auf welche Weise er sie durchführt. Das alles steckt in einer Geschichte, aus der ein fähiger Autor auch einen guten Roman hätte machen können.

Der visuelle Anreiz ist deshalb nicht die Hauptmotivation, „Assassin’s Creed“ zu spielen. Die Kämpfe auch gegen mehrere Gegner und die Kletteraktionen Altairs sind geradezu lächerlich einfach und entlocken jedem, der Lara Croft schon mal über Abgründe gesteuert hat, nur ein müdes Grinsen. Es ist die Story, die den Spieler packt und nicht mehr loslässt. Der moralisch-philosophische Hintergrund ist für ein Action-basiertes Spiel völlig untypisch und dadurch umso faszinierender. Bedauerlicherweise endet „Assassin’s Creed“ in einem üblen Cliffhanger und lässt den Spieler höchst frustriert zurück. Jörg Pistorius

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Hohe Gewinne mit Xbox 360

Microsoft ist offenbar hochzufrieden mit dem Ergebnis aus 2007. Fast 18 Millionen Konsolen wurden weltweit verkauft. Im Spiele-Sektor waren die beiden Microsoft-Titel „Halo 3″ und „Mass Effect“ große Erfolge. “Halo 3″ ging seit dem Verkaufsstart am 25. September mehr als acht Millionen mal über den Ladentisch. „Mass Effect“ startete am 20. November und liegt bereits bei 1,6 Millionen Exemplaren.

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Blu-Ray gegen HD DVD

Der DVD-Nachfolge-Krieg scheint sich zugunsten der Blu-ray-Disk zu entscheiden. Nachdem Warner Bros. Entertainment bekannt gegeben hat, ab Juni 2008 ausschließlich auf Blu-ray zu setzten, kündigte nun auch New Line Cinema an, den Kassenschlager „Der Herr der Ringe“ künftig auf Blu-ray herausbringen zu wollen. Nach der überraschenden und laut Brancheninsidern weitreichenden Entscheidung Warners bleiben im HD-DVD-Lager nur noch bedeutende Hollywood-Marktplayer wie Paramount und Universal als Unterstützer übrig. Zudem gerät HD-DVD durch Speicherplatzdefizite und immer günstiger werdende Blu-ray-Player unter 300 Euro verstärkt unter Zugzwang. Unterdessen gibt sich HD-DVD-Verfechter Toshiba kämpferisch und spricht von einer noch längst nicht endgültig entschiedenen Marktsituation.

 

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Milliarden-Deal: Vivendi schluckt Activision

Ein gewaltiger Paukenschlag erschütterte 2007 die Spiele-Industrie. Der französische Konzern Vivendi übernahm den US-Publisher Activision. Activision Blizzard heißt der neue Spieleriese, dessen Größe und Bedeutung einer Fusion zwischen Ferrari und McLaren-Mercedes entspricht.
 
12,8 Milliarden Dollar soll der Gesamtwert dieser Fusion betragen. Activision Blizzard wird damit zum größten Computer- und Konsolen-Spiele-Konzern der Welt und verdrängt Electronic Arts auf Platz zwei. Allein Blizzard ist mit der „Warcraft“-Serie und vor allem mit dem immens erfolgreichen Online-Rollenspiel „World of Warcraft“ eine gewaltige und so schnell nicht versiegende Geldquelle.
 
Bei Activision setzt man einmal mehr auf die Macht und Stärke von Star Wars. So erwartet Hobby-Jedi-Ritter im Frühjahr der Titel „Star Wars: The Force Unleashed“ für Xbox 360, die beiden Playstations 3 und 2 sowie Nintendos Wii. Die Handlung ist zwischen den Film-Episoden III und IV angesiedelt. Dreh- und Angelpunkt: Die geheimen Schüler Darth Vaders jagen die letzten Jedi-Ritter.
Für Playstation 3 und Xbox 360 kündigt Activision für den Sommer „Fracture“ an. Die Besonderheit dieses futuristischen Action-Titels ist ein neuartiger Waffentyp, mit dessen Hilfe sich das Spielfeld deformieren lässt.
 
Doch auch die Konkurrenz schläft nicht. Electronic Arts (EA) bringt bereits am 22. Januar „Burnout Paradise“ für Playstation 3 und Xbox 360 heraus. Besonders betont EA ein Feature im Onlinemodus: Mit Hilfe der sogenannten Easydrive-Freundesliste kann der Spieler ohne lange Wartezeiten direkt in die Raserei mit seinen Kumpels einsteigen.

Die Besonderheit von EAs Third-Person-Shooter „Army of Two“ für Playstation 3 und Xbox 360 ist die enge Bindung zweier Spielfiguren, die gemeinsam aufs Feld ziehen. Vor allem im Onlinemodus soll das geforderte hohe Maß an Kooperation zwischen den beiden Protagonisten für die nötige Würze sorgen. Das Spiel ist für März angekündigt. Einen äußerst ungewöhnlichen Titel präsentiert EA unter anderem für Nintendos kleine Mobilkonsole DS: Bei „Spore“ geht es darum, eine Mikrobe zum intelligenten Wesen zu entwickeln. Die Macher der „Sims“ haben dabei ihrer Simulations-Wut wieder einmal freien Lauf gelassen.
 
Konami setzt 2008 auf eine ganze Reihe von Klassikern. Im zweiten Quartal erscheint „Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots“ exklusiv für Playstation 3. Die ersten optischen Eindrücke lassen eine Menge erwarten, so dass sich die Fortsetzung der „Metal Gear Solid“-Reihe zu einem der bislang wichtigsten PS3-Titel entwickeln dürfte. Zur Film-Umsetzung des Kultcomics „Hellboy“ im Sommer wird Konami auch ein Videospiel präsentieren. Die Handlung wird sich jedoch nicht am Film orientieren: Die Spieler dürfen eine eigenständige Story erwarten.
 
Der französische Publisher Ubisoft hat einige Tom-Clancy-Titel für Schleich- und Actionfans im Programm. So werden im ersten Quartal „Tom Clancy’s End War“ und „Tom Clancy’s Rainbow Six Vegas 2“ erwartet — beide für Xbox 360 und Playstation 3. Noch nicht näher datiert ist der Erscheinungstermin von „Tom Clancy’s Splinter Cell Conviction“ für Xbox 360. Rennsportfreunde mit einer Wii im Wohnzimmer dürfen sich auf die Motocross-Simulation „Nitro Bike“ freuen, die bereits am 17. Januar erscheinen soll.

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