Age of Conan: Hyborian Adventures (PC)

Das geht nicht gut. Das kann nicht gut gehen. Wer auf eine Bande Piraten losstürzt und lediglich mit einer abgebrochenen Schiffsplanke bewaffnet ist, hat schlechte Karten. Aber der gerade von einer Galeere entsprungene Sklave stammt aus Cimmeria. Genau wie Conan. Cimmeria – ein raues Nordland, in dem nur die Härtesten überleben. Das bekommen auch die Piraten zu spüren. Die Holzplanke gibt’s links und rechts um die Ohren.

So beginnt „Age of Conan“. Die Welt des Conan ist nicht neu. Der texanische Schriftsteller Robert E. Howard schrieb in den 20er und 30er Jahren Geschichten über eine frühmittelalterliche Welt, die er Hyperborea nannte. Seine Hauptfigur war Conan, der Barbar. Howard hatte damit niemals Chancen auf literarische Anerkennung. Dennoch kam der Texaner in den 80ern postum zu Weltruhm. Sein Barbar wurde mit Arnold Schwarzenegger verfilmt, es war dessen erste echte Hauptrolle. Jüngere Autoren nahmen Howards Erzählungen auf und lieferten neuen Stoff. Conan der Barbar etablierte sich als Trash-Ikone: nicht im Mindesten realistisch oder auch nur menschenähnlich und stets nur dabei, sich in Schlachten zu stürzen oder Frauen und Königreiche zu erobern.

Das war schon damals Ab-18-Stoff, und auch heute wirbt Publisher Eidos für „Age of Conan“ mit der Ankündigung, hier entstehe ein „Rollenspiel für Erwachsene“. Das ist nicht übertrieben. Die Online-Version von Hyperborea ist nicht weniger gefährlich als die Welt in Howards Erzählungen. Nach der Charakter-Generierung landet der Spieler mit seiner Figur am Strand der Piratenstadt Tortage, in deren Umfeld er bis Level 20 bleiben wird. Die Festlegung der Klassen und Talente entspricht dem üblichen Rollenspiel-Modell. Der Soldat ist ein ultraharter Nahkämpfer, der Nekromant ruft Untote herbei, der Assassine greift mit vergifteten Klingen von hinten an.

Für welche Figur – es kann natürlich auch eine Frau sein – der Spieler sich auch entscheidet, er erlebt eine auf ihn zugeschnittene epische Geschichte. das ist ungewöhnlich in der Welt der Online-Rollenspiele, doch „Age of Conan“ spielt sich lange Zeit wie ein Solo-Spiel. Das Kampf-System ist ebenso komplex wie motivierend. Über drei Tasten legt der Spieler gezielte Attacken fest, plant Kombos und nutzt Lücken in der gegnerische Deckung aus. Je weiter sich die Werte der Spielfigur entwickeln, umso stärker werden die Kombos.

In Tortage zeigt sich, wie gekonnt Entwickler Funcom den Solo-Teil mit den Multiplayer-Inhalten verbunden hat. Am Tag agiert der Spieler zusammen mit anderen Spielern, die Festlegung auf einen europäischen Server bewahrt ihn dabei vor zu großen Zeitverschiebungen. Die Einwohner von Tortage versorgen jede Charakterklasse mit Quests, die den Spieler in der Stadt, ihren Katakomben, geheimnisvollen Ruinen und einer Insel vor jede Menge Herausforderungen stellen. Diese kann er in einer Gruppe angehen oder es allein versuchen. In der Nacht – ein Wechsel ist jederzeit möglich, ein Gespräch in der örtlichen Kneipe reicht aus – verfolgt der Spieler die Haupt-Story um sein Schicksal.

Belohnt wird der Spieler mit einer der grafisch schönsten Online-Welten, einer Story im Stil von Robert E. Howard und dem zurzeit besten Kampfsystem.

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