Tollkühne Piloten in ihren rasenden Kisten: Need for Speed Shift

Motorsport pur: Da kommt Freude auf. Screenshot: Electronic Arts

Tollkühne Männer (und Frauen) in rasenden Kisten: Seit mittlerweile 15 Jahren – im schnellebigen Unterhaltungs-Business eine erstaunliche Leistung – ist Publisher Electronic Arts (EA) mit seiner Rennspiel-Serie Need for Speed am Start. Zählt man alle jemals erschienenen Teile zusammen, ist der aktuelle Titel Shift die Nummer 13. Für EA wird diese 13 zur Glücksnummer, denn der jüngste Teil der Rennspiel-Serie reißt den Markennamen Need for Speed aus dem tiefen Tal dröger und stereotyper Wiederholungen heraus und bietet Motorsport pur.

Shift profitiert paradoxerweise von den Dingen, die es nicht mitbringt. Keine Story. Keine Filmsequenzen. Keine nächtlichen illegalen Rennen. Keine Tuning-Exzesse. Keine Verfolgungsjagden mit der Polizei. All das hatten wir schon früher, und auch wenn es damals in Underground, Most Wanted oder Carbon durchaus Spaß gemacht hat, war es höchste Zeit für entweder etwas grundlegend Neues – oder die Rückbesinnung auf die grundsätzliche Basis eines guten Rennspiels. Eben. Das Rennen.

Shift dreht sich um Motorsport. Alles spielt sich auf Rennstrecken ab. Suzuka, Silverstone, Brands Hatch, Daytona, die Nordschleife – sie alle sind dabei, original modellliert. Unrealistische Späßchen wie Schneefall-Rennen oder Nachtfahrten gibt es nicht. Der Fuhrpark umfasst eine schwindelerregende Sammlung von Traumwagen – das ist typisch für Need for Speed. Der Spieler arbeitet sich durch Leistungsstufen hoch. Mit jedem Rennen verdient er Geld zum Kauf neuer Geschosse. Podiumsplätze und besondere Leistungen auf der Strecke – dazu später mehr – bringen Sterne. Hat man genug Sterne auf dem Konto, werden nach und nach die höheren Stufen freigeschaltet, und mit ihnen immer wahnsinnigere Kisten. Für den finalen Weltmeisterschaftslauf in Brands Hatch kann der Spieler, wenn er will, im Pagani Zonda Platz nehmen. Dessen nähere Beschreibung klingt wie Musik: Ein 7,3 Liter großer V12 von Mercedes-AMG mit 478 kW (650 PS) und 760 Nm Drehmoment treibt die Räder an. Das Fahrzeug wurde auf 15 Einheiten limitiert und ist mittlerweile ausverkauft.

Wo und womit man fährt ist damit geklärt. In Shift wird auch das Wie zum großen Pluspunkt. Das Spiel bietet dem Einsteiger Fahrhilfen an: Brems- und Lenkhilfe, ABS, Traktionskontrolle und vor allem die einblendbare Ideallinie lassen den Spieler schnell erste Erfolgserlebnisse sammeln. Der Profi schaltet diese Hilfen aus. Damit wird aus Shift zwar noch keine beinharte Simulation, aber die Herausforderung ist deutlich größer als sie es in früheren Teilen war. Wer alle Fahrhilfen abschaltet, muss sehr vorsichtig und präzise mit Gas und Bremse umgehen, wenn er nicht im Kiesbett landen will. Dennoch: Boxenstopps, Reifen- und Kraftstoffverbrauch oder ein sich auf die Fahrweise auswirkendes Schadensmodell bringt auch Shift nicht mit.

Ein riesiger Pluspunkt ist die Cockpit-Ansicht. Original-Cockpits kann man von einem Need for Speed-Titel erwarten, und Shift bringt sie detailliert mit. Doch noch nie haben sich Cockpits so echt angefühlt. Ein ruckartiges Bremsmanöver, und die Spieler-Sicht zuckt nach vorne – grandios.

Grandios ist auch die Art und Weise, mit der EA den Spieler motiviert. Nach jedem Rennen verteilt Shift Punkte in zwei Kategorien: Präzision und Aggression. Saubere Überholmanöver ohne Gegnerberührung, auf der Ideallinie gemeisterte Kurven, eine Runde ohne das kleinste Wegrutschen von der Strecke – für solche Aktionen hagelt es Präzisions-Punkte. Den Konkurrenten von der Strecke rammen, durch eine Kurve driften – damit steigt das Aggressions-Konto. Das Spiel erhebt nicht den moralischen Zeigefinger, sondern registriert nüchtern, welche Fahrweise dem Spieler mehr liegt. Belohnt werden beide Methoden, obwohl die aggressive Fahrweise natürlich wesetlich leichter ist als die päzise.

Fazit: Need for Speed Shift bietet den puren Spaß am Motorsport ohne überflüssigen Firlefanz. Der Wechsel zum neuen Entwicklerteam Slightly Mad Studios war der richtige Schritt.

  • Need for Speed Shift (Electronic Arts) wurde auf der Xbox 360 getestet und ist für alle Plattformen erschienen. Das Spiel ist frei ab sechs Jahren.     
Share

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*