Forza Motorsport 3

So, und zwar genau so, sollten virtuelle Rennen aussehen.           Screenshot: Microsoft Game Studios

Zwei Rennsimulatoren kämpfen um den Titel des Branchenbesten: Electronic Arts hat mit Need for Speed Shift vorgelegt, Microsoft kontert mit dem dritten Teil seiner Forza-Serie. Beide Spiele bieten schnörkellosen Motorsport, eine riesige Auswahl an Original-Boliden und ein vielschichtiges System zur Regelung des Schwierigkeitsgrades. Auch Forza 3 hat Fahrhilfen von der Traktions- und Stabilitätskontrolle bis zur einblendbaren Ideallinie im Programm. Schaltet man sie ab, werden die PS-starken Traumwagen, vor allem die Heck-getriebenen, zu  hochsensiblen Geschossen, deren Kontrolle eine echte Herausforderung darstellt.

Sofort nach dem Start des nur für die Xbox 360 erscheinenden Forza 3 wird klar, dass edle Optik eines der Basisargumente ist, mit denen die Bill-Gates-Company die Spielewelt von der Qualität ihrer virtuellen Raserei überzeugen will. Schon die Präsentation der mehr als 400 Autos, die das Spiel im Original nachbildet, ist ein Genuss. Jedes Detail stimmt. Diese Art der Darstellung ist nichts anderes als eine Ode an die Schönheit des Automobils. Aber lassen sich die Traumgeräte auch anständig fahren?

Der Spieler fängt natürlich klein an und geht zunächst mit einigen kleinen Kisten auf die Pisten. Das schürt die Vorfreude auf kommende Höhepunkte. Wer genau weiß, dass er im späteren Spielverlauf mit den brutalsten Muscle Cars, den schönsten Ferraris, den technisch hochwertigsten Asiaten oder den schnellsten Rennsport-Raketen fahren darf, der gewöhnt sich gerne zuerst im Fort Focus RS an Fahrphysik und Rennmechanik. Wobei man den RS mit seinem 2,5-Liter-Turbo-Fünfzylinder und 305 PS nicht unterschätzen sollte.

Die Spielmechanik ist quasi identisch mit dem Konkurrenten Shift. Eine Story gibt es nicht, auf Zwischensequenzen wird verzichtet. Es zählen nur das Rennen, die mehr als 100 Strecken, die Gegner. Auf realen und fiktiven Kursen, schön sind vor allem die malerischen Alpenpässe, kämpft man um Platzierungen, Erfahrungspunkte und Credits, die Forza-Währung. Erfahrungspunkte lassen den Spieler in höhere Levels aufsteigen und gewähren ihm damit nach und nach Zugang zu immer stärkeren Wagen, Credits sind die Währung für Tuning, Upgrades oder individuelle Lackierungen und Verzierungen. Der Kauf neuer Autos ist übrigens nicht zwingend notwendig. Siege in Rennserien und WM-Läufen werden nicht nur mit Credits, sondern auch mit immer neuen und stärkeren Boliden belohnt. Doch die Auswahl ist groß, und wer in einem bestimmten Geschoss Platz nehmen will, muss dafür in die Tasche greifen. Netterweise weist das Spiel selbstständig darauf hin, wenn es Zeit ist, die Tuning-Werkstatt aufzusuchen, um im ausgesuchten Rennen konkurrenzfähig zu sein.

Forza 3 tritt als Rennsport-Simulation an und erfüllt diesen Anspruch. Mit allen eingeschalteten Fahrhilfen ist der erste Platz auf dem Podium noch kein Problem. Verzichtet man auf diese Leichtmacher, wird es heikel. Die KI ist im Schwierigkeitsgrad „schwer“ ein Gegner, der keine Fehler macht. Der Spieler hat dagegen jede Menge Möglichkeiten, Fehler zu machen. Ein Gasststoß zuviel, ein falscher Eintrittswinkel in die Kurve, eine Berührung eines Gegners, und der Platz auf dem Podium ist weg.

Microsoft hat sich offenbar Gedanken gemacht, wie man den Spieler dennoch motivieren kann, die größere Herausforderung und die höheren Schwierigkeitsgrade zu suchen. Die Lösung: Missglückt ein Manöver und das Kiesbett ruft, spult die Back-Taste des Xbox-Controllers das Renngeschehen ein paar Sekunden zurück, und man hat einen neuen Versuch frei und damit die Chance, den eben gemachten Fehler zu vermeiden. Das hat – natürlich – mit Realitätsnähe wenig zu tun.  Aber es minimiert auch die Frustration. Wer im höchsten Schwierigkeitsgrad fünf Runden lang ein starkes Rennen fährt, in der sechsten dann einen blöden Fehler macht und deshalb von Platz eins auf acht zurückfällt, hätte ohne diese Rückspul-Lösung keine andere Möglichkeit als die Wiederholung des kompletten Rennens. Frust ist eben kein guter Motivator, das weiß auch Bill Gates.

Die Fahrphysik ist grandios umgesetzt. Jedes Auto fährt sich seiner realen Natur entsprechend. Die Reifen reagieren realistisch auf Fliehkräfte und Fahrbahnbeläge. Forza 3 fühlt und hört sich echt an, Rennspaß ist garantiert. Fazit: Die Entscheidung zwischen Shift und Forza ist eine rein subjektive. Beide fahren in der Formel 1 der Rennspiele.  

  • Forza Motorsport 3: Publisher Microsoft Game Studios, Entwickler Turn 10.  Das Spiel erscheint am 23. Oktober für die Xbox 360.
Share

Ein Gedanke zu „Forza Motorsport 3

  1. Hallo,

    mal ein grundsätzliches Kompliment für das Hardwarelabor. Deine Tests gehen zwar nicht so extrem ins Detail wie die Fachmagazine, informieren aber auf einer stabilen Basis und sind dabei manchmal auch noch richtig unterhaltsam zu lesen. Ich komm immer mal wieder vorbei und finde immer was Interessantes, auch unter den älteren Texten. Der Forza-Test ist gut und kam vor allem passend zum Release heute. Eine gute Kaufempfehlung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*