Dragon Age Origins: Das Meisterwerk von Bioware

 

Sexy, bissig und mordsgefährlich: Morrigan. Screenshot: Electronic Arts

Die kanadische Spieleschmiede Bioware hat ein extrem hohes Ziel: Man will ganz einfach die besten erzählenden Spiele der Welt produzieren. Was ist ein erzählendes Spiel?  Diese Definition ist subjektiv. Ein denkbarer gemeinsamer Nenner wäre dieser: Ein erzählendes Spiel verwickelt den Spieler in eine epische Geschichte, die er wie ein gutes Theaterstück mit Dramaturgie, Spannungsbogen und bombastischem Klimax durchläuft und deren Verlauf er entscheidend prägt. Nach dieser Definition haben die Macher von Bioware ihr versprechen gehalten. Sie produzieren die besten erzählenden Spiele der Welt. Dragon Age: Origins, ein Rollenspiel mit erwachsenen Inhalten, gehört eindeutig dazu.

Der herausragende Ruf des Spieleentwicklers aus Edmonton basiert natürlich nicht nur auf einem Spiel. Bioware-Titel sind die Ecksteine, die Kronjuwelen der Rollenspiel-Geschichte. Die wichtigsten: Baldur’s Gate (1998), Neverwinter Nights (2002), Knights of the old Republic (2003), Mass Effect (2007). Wer sich in den letzten zehn Jahren generell mit dem Thema Rollenspiele beschäftigt hat, kam an diesen Titel nicht vorbei. Ihnen allen ist die nicht nur grafisch, sondern auch emotional dreidimensionale Charakterzeichnung gemeinsam. Figuren in Bioware-Titeln erwachen zum Leben, die Identifikation des Spielers mit den von ihm gesteuerten Magiern, Kämpfern und Schurken ist nirgendwo höher.

Dragon Age: Origins spielt in einem Fantasy-Kontext. Das Land Ferelden gleicht dem Spätmittelalter der Realität, nur ist Magie hier so selbstverständlich vorhanden wie die Schwerkraft. Bevölkert wird Ferelden vom klassischen Trio der Fantasy: Menschen, Zwerge und Elfen. Sie alle haben ein mächtiges Problem, denn die Kräfte des Bösen blasen zum Angriff. Eine Verderbnis droht dem Land. Unter der Führung eines Erzdämons fallen die Horden der dunklen Brut, die Tolkiens Orks im Herrn der Ringe sehr ähnlich sehen, über die freien Völker her. Dem muss Einhalt geboten werden, doch das ist ein gewaltiges Problem. Die Menschen stehen durch Verrat und Intrigen kurz vor einem Bürgerkrieg, die Zwerge streiten um die Nachfolge des verstorbenen Königs, und die Elfen fristen unterdrückt ein kümmerliches Dasein in den Elendsvierteln der großen Städte.

Der Spieler hat deshalb eine gewaltige Aufgabe. Seine Figur muss die einzelnen Probleme und Konflikte lösen, die freien Völker zusammenbringen und gegen den wahren Feind, die dunkle Brut, führen.  Und diese natürlich besiegen. Viele Wege führen zu diesem Ziel, viele Entscheidungen müssen gefällt, viele Gegner bezwungen, viele Informationen gesammelt werden. Dragon Age: Origins hat mehrere mögliche Enden und auch mehrere Anfänge. Der Spieler hat die freie Wahl, ob er als adliger Kämpfer, Magier, Zwerg oder Elf starten will. Alle möglichen Figuren haben ihre eigene Startmission und ihre eigene Geschichte. Große Schlachten, verhexte Türme und das an die Minen von Moria erinnernde Zwergenreich erwarten den Spieler und seine Gefährten, die er im Lauf des Spiels trifft und überzeugen kann (aber nicht muss), sich ihm anzuschließen.

Gut oder böse, gütig oder brutal: Der Spieler hat die freie Wahl, ob er in Ferelden Angst und Schrecken verbreitet oder als strahlender Held auftritt. Die Kämpfe sind hart und drastisch, hier erinnert Dragon Age an Filmklassiker wie Excalibur und Bravehart. Das Kampfsystem ist variabel: In den beiden höheren Schwierigkeitsstufen ist die Taktikvariante – Spiel beliebig pausieren und jeder der vier aktiven Figuren einzelne Aktionen zuweisen –  unverzichtbar. Im Modus „einfach“ kann sich der Spieler ohne größere Probleme in Echtzeit durch die Gegner schnetzeln. In diesem Fall würde er jedoch den Hauptreiz des Spiels verpassen.

Innerhalb der Gruppe, die der Spieler steuert, sind Konfrontationen, Auseinandersetzungen und Zerwürfnisse möglich, aber auch Treue, Loyalität und romantische Liaisons – in der für Spiele üblichen absolut braven grafischen Darstellung. Es macht gewaltig Laune, wenn die Hexe und die Bardin sich eifersüchtig anzicken, weil man mit beiden angebandelt hat.

Der Klimax führt die maßgeblichen Entscheidungen, die der Spieler während der mehr als 50 bis zum Abspann nötigen Spielstunden getroffen hat, bombastisch und – noch besser – logisch zusammen. Dragon Age: Origins ist ohne jeden Zweifel das beste Rollenspiel der letzten Jahre. Ein neuer Spitzenreiter des Genres könnte allenfalls von Bioware selbst kommen, und er kündigt sich auch bereits an. Bald kommt der zweite Teil des Science-Fiction-Epos Mass Effect auf den Markt.  Jörg Pistorius

  • Dragon Age: Origins: Entwickler Bioware, Publisher Electronic Arts. Erschienen für Xbox 360 (getestet), Playstation 3 und PC. Das Spiel ist frei ab 18 Jahren.
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