Mass Effect 2: Großes Kino

Das 2007 veröffentlichte Science-Fiction-Epos „Mass Effect“ gilt heute als eines der besten Rollenspiele überhaupt. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an den zweiten Teil. Auch in „Mass Effect 2“ (Screenshot: Electronic Arts) steht der Spieler vor der gewaltigen Aufgabe, die Menschheit und das Universum vor der völligen Vernichtung zu bewahren.

Es ist einer dieser Gänsehaut-Momente. Nach vielen Missionen, diplomatischen und persönlichen Disputen und Erfolgen, einer Romanze mit einer blauhäutigen außerirdischen Schönheit und adrenalinfreisetzenden Gefechten steht der Mensch John Shepard seiner Nemesis gegenüber. Im Vergleich mit dem mächtigen Wesen in Raumschiffgröße ist Shepard ein winziges Nichts.

„Ihr wollt das gesamte Universum vernichten“, ruft Shepard dem Giganten zu. „Viele Billionen Lebewesen. Das ist böse. Unrecht. Falsch.“ Das Wesen antwortet. „Mensch“, donnert eine Stimme wie die Posaunen von Jericho. „So ist es immer gewesen seit Anbeginn der Zeit. Wenn sich das Universum weit genug entwickelt hat, löschen wir es aus, damit es neu beginnen kann. Nur so entsteht neues Leben, neue Rassen. Kein Neubeginn ist Stillstand, und Stillstand ist Tod.“

Stillstand hin oder her, die Vernichtung aller bekannten Lebensformen muss natürlich verhindert werden. Das hat John Shepard, die vom Spieler gesteuerte Figur, am Ende von „Mass Effect“ dann auch geschafft. Der universelle Neustart fällt aus. Doch das uralte Volk der Vernichter, die Reaper, existiert noch. Im Endkampf des ersten „Mass Effect“ wurde nur ein einziger Repräsentant dieser mächtigen Rasse besiegt. Und wenn sie wiederkommen, muss der Spieler wieder das Universum retten. Vorhang auf für „Mass Effect 2“.

Entwickler Bioware ist seit mehr als einem Jahrzehnt bekannt für epische Rollenspiele mit feiner Charakterzeichnung, einer riesigen Handlungs- und Entscheidungsfreiheit und einer packenden Geschichte. Die Titel „Knights of the Old Republic“ (Die Ritter der alten Republik, ein 2003 erschienenes Spiel im Star-Wars-Universum) und eben „Mass Effect“ bilden die Spitze auf der ewigen Bestenliste der Science-Fiction-Rollenspiele.

Dort wird auch „Mass Effect 2“ landen, das seit wenigen Tagen auf dem Markt ist. Der Titel bietet mehr Action als sein Vorgänger, punktet aber ebenso mit der packenden Story des Autors Drew Karpyshyn, mit bombastischer Grafik und – ebenfalls typisch für Bioware – mit einer in Videospielen sehr selten erreichten emotionalen Tiefe.

Denn der Protagonist knüpft Beziehungen zu den Figuren um ihn herum. Diese Beziehungen können diplomatischer, romantischer oder feindseliger Natur sein – alles ist möglich, der Spielverlauf wird wie immer von den Entscheidungen des Spielers geprägt. Shepard schart ein Team um sich, dessen Mitglieder alle eine eigene Story und einen bestimmten Charakter mitbringen. Einige davon wird man mögen, andere nicht.

Aber jede einzelne dieser Figuren ist dreidimensional, und aufgrund der heutigen grafischen Möglichkeiten, die Biowares Programmierer perfekt beherrschen, nimmt man wie im aktuellen Kinohit „Avatar“ nach wenigen Minuten nicht mehr wahr, dass es sich um generierte Kunstwesen handelt.

Nicht jede Situation ist mit Diplomatie zu lösen. Manchmal müssen die Waffen sprechen. Hier spielt sich „Mass Effect 2“ mehr wie ein Shooter. Generell ist das Spiel wie auch bereits sein Vorgänger ein fesselndes Science-Fiction-Epos und wird im Dezember bei der Vergabe des Titels „Spiel des Jahres“ vorne mitspielen. Jörg Pistorius

  • Mass Effect 2 (Entwickler Bioware, Publisher Electronic Arts) ist für PC und XBOX 360 erschienen und frei ab 16 Jahren.
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