Final Fantasy XIII: KEIN Märchen!

Final Fantasy – ein Titel, der in der Welt der Unterhaltungssoftware polarisiert wir kaum ein anderer. Traditionalisten und Anhänger abendländisch geprägter Fantasy-Rollenspiele lehnen den „Japan-Kram“ komplett ab. Andere gehen die Spiele zwar positiver gestimmt an, scheitern jedoch am Gameplay, den fremdartigeren Charakteren und der Erzählweise. Die Mehrheit jedoch spielt Final Fantasy mit lupenreiner Begeisterung, die je nach der Qualität des einzelnen Titels mal größer und mal geringer ist. Über Final Fantasy XIII wird man noch lange diskutieren.Seit dem ersten Teil 1987 hat Sqaure Enix, damals noch Squaresoft, insgesamt mehr als 80 Millionen Spiele weltweit verkauft. Eine erfolgreiche Marke hat den Drang, sich so weit wie möglich auszubreiten: Zu der Hauptserie kommen viele Ableger auf allen möglichen Plattformen und zwei Animationsfilme. In Deutschland erregte der erste der beiden – Final Fantasy: Die Mächte in dir – eine hohe Aufmerksamkeit. Insgesamt eine sehr beachtliche Hausnummer.

Aktuell beschäftigt sich die Spielewelt mit Teil 13, römisch XIII. Und es geht schon wieder los. Allein um die Ausgangslage der handelnden Figuren zu verstehen, braucht der Spieler einen sehr breiten Horizont in den Bereichen Fantasy und Science Fiction. Das meine ich bei weitem nicht nur negativ: Ein Spiel hat ebenso wie ein Buch oder ein Film das Recht, seinen Konsumenten inhaltlich einiges abzuverlangen. Beispielsweise viel Fantasie. Da wäre der Planet Pulse und der ihn umkreisenden Mond Cocoon. Beide sind bewohnt und funktionieren wirtschaftlich und militärisch autark. Pulse hat mal versucht, Cocoon zu erobern, aber die Invasion ist gescheitert, und das ist sowieso finstere Vergangenheit.

Klar soweit? Gut. Denn es wird komplizierter. Der Mond Cocoon ist künstlich, erschaffen von einer mächtigen Alien-Rasse, den Fal’Cie, die bis heute im Hintergrund alles lenkt und steuert und so dafür sorgt, dass Menschen dort überhaupt existieren können. Die Aliens treten jedoch nicht selbst als Oberchefs in Erscheinung, sondern lassen ein Menschen-Gremium, das Sanctum, die Gewaltenteilung aus Exekutive (plus Militär), Iudikative und Legislative ausführen. Zwischen Cocoon und dem Mutterplaneten Pulse gibt es keinen Kontakt. Die Männer und Frauen im Mond haben keine Ahnung, wie es auf ihrem Heimatplaneten aussieht, glauben ihn bewohnt von furchtbaren Monstern und fürchten sich konstant vor einer neuen Invasion. Diese Furcht wird gezielt geschürt. Cocoon ist eine Autokratie, in der einige wenige über das Schicksal vieler entscheiden.

Immer noch klar? Kompliment. Ab hier wird es wirklich komplex – und hart. Ein Fal’Cie taucht auf Cocoon auf. Und sofort bricht Panik aus, politische ebenso wie reale. Die Cocoon-Regierung geht davon aus, dass der verirrte Fal’Cie Menschen gezielt beeinflusst, ja sogar verflucht, um sie in einen von Pulse geplante Krieg gegen Cocoon zu hetzen.

Und spätestens ab hier wird klar: Final Fantasy XIII ist absolut kein Märchen. Menschen, die von Fal’Cie gekennzeichnet (gebrandmarkt, mit einem Mal versehen, verflucht etc.) worden sind, werden mit rüden Methoden entrechtet und deportiert. Wohin, weiß man zuerst nicht. Die Deportation wird von gesteuerten Medien verharmlost und schöngeredet. Jeglicher Widerstand wird mit Waffengewalt zerschlagen. Das Spiel zeigt die furchtbaren Vorgänge auf Cocoon mit knallharten Realismus. Deportationen, Demagogie, Exekutionen – das alles liegt inhaltlich nahe an Kapiteln der Realität, die auch (und vor allem dann) schmerzen und Betroffenheit auslösen, wenn man sie in einem Spiel wiederfindet.

Hier ist Widerstand geboten, und der Spieler steigt kämpferisch ein – in der Rolle von Lightning, einer Dame mit militärischer Vergangenheit. Ihre Schwester soll deportiert werden, und Lightning greift ein, löst eine Meuterei aus und landet schließlich zusammen mit mehreren anderen Figuren dort, wo der Fal’Cie sitzt, der all diesen Terror ausgelöst hat.

Von diesem Punkt an schmiedet die Handlung diese Party zusammen, und der Spieler, der sie lenkt, zieht in den Kampf. In dessen Verlauf wird die Grenze zwischen Gut und Böse oft hart in Frage gestellt, ebenso wie die Sichtweise des Spielers. Nichts ist so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht.

Man könnte Bücher über diesen Titel schreiben und wird es mit Sicherheit auch tun. Ich habe Final Fantasy XIII als Rollenspiel erlebt, dessen Stärke in der Story liegt. Der Spielablauf ist streng linear, es gibt keine Open World (und damit auch keine Verwirrung, wo ich denn bitte als nächstes hinsoll). Die Kämpfe sind zwar vielseitig, aber auch sehr leicht. Und es dauert sehr, sehr lange, bis ich solche Selbstverständlichkeiten wie die Weiterentwicklung meiner Charaktere und die Zusammenstellung meiner Party selbst entscheiden darf.

Wer Final Fantasy XIII spielen will, braucht demnach Geduld. Viel Geduld. Sehr viel Geduld. Auf der Plus-Seite steht die gewohnte grafische Qualität und vor allem eine emotional extrem packende Story.

  • Final Fantasy XIII: erschienen für Xbox 360 (getestet) und Playstation 3, Entwickler Square Enix, frei ab 12 Jahren.  
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