Need for Speed Hot Pursuit: Wer bremst, verliert!

Keine Story, kein Tuning, keine Filmsequenzen, noch nicht einmal Gangschaltung: Der aktuelle Need for Speed-Titel setzt so konsequent wie kein anderer vorher auf leicht zugängliche Rasereien zwischen den in Traumboliden sitzenden Teilnehmern illegaler Rennen und den Cops, die eben diese zur Strecke bringen. Der Spieler darf in beiden Teams mitfahren und eine Karriere als Raser-Staatsfeind Nummer eins ebenso in Angriff nehmen wie eine Laufbahn als Streifenpolizist. 

Need for Speed ist eine der erfolgreichsten Spiele-Serien der Welt und startete vor 15 Jahren auf dem PC.  16 Titel sind seitdem unter diesem Namen erschienen. Realistische Rennsimulationen (Shift) waren ebenso darunter wie an den Film The Fast and the Furious angelehnte realitätsfreie nächtliche Rennen mit bis zum Größenwahn getunten Golfs und Nissans (Underground). Auch Verfolgungsjagden mit der Polizei gab es schon, sogar unter dem jetzt wieder verwendeten Titel Hot Pursuit.

Der aktuelle Need for Speed-Titel macht demnach nichts wirklich neu. Aber er bringt den Modus, der den Fans im Lauf von 15 Jahren Need for Speed am meisten gefallen hat, wieder auf die Bildschirme: In den schönsten, schnellsten und teuersten Autos der Welt darf gerast werden. Die Polizei ist mit dabei und versucht, die Rennen zu unterbinden. Der Spieler kann Karrieren als Raser und Cop starten, beide parallel vorantreiben und auch problemlos hin und her springen.  Es gibt keine Story, die man durch diese ständigen Seitenwechsel stören könnte. Es gibt nur die Rennen.

Das fiktive County Seacrest irgendwo in den USA ist schon eine seltsame Ecke. Zuerst einmal hat Seacrest mehrere Klimazonen zu bieten: glänzende Küstenlandschaften, verschneite Bergpässe, sandige Wüstenpisten, breite Autobahnen. Wie geschaffen für illegale Rennen. Das denken sich offenbar auch die Rennfahrer dieser Welt. Alle strömen nach Seacrest, um hier gegeneinander anzutreten und sich dabei von der Polizei nicht erwischen zu lassen. Es muss sich bei diesen Rennfahrern um einen geheimen Club rasender Millionäre handeln, denn sie sitzen im Besten vom Besten der Automobilindustrie. Aston Martin, Koenigsegg, Porsche, McLaren Mercedes, Lamborghini, Maserati, der Ford Shelby Cobra GT 500, der Dodge Viper und jede Menge weitere Kunstwerke – sie alle sind da und bis hin zum Motorensound original nachgebildet.

Und die Polizei? Nun, das Seacrest Police Departement (SCPD) ist der Traum jedes Streifenpolizisten. Die öffentlche Hand hat hier offenbar tiefe und volle Taschen. Auch die Raser-Jäger sitzen in den heißen Kisten. Ein Lamborghini Gallardo in Polizeilackierung ist ein wirklich interessanten Anblick.

Damit herrscht Chancengleichheit, das Rennen beginnt. Sowohl als Raser wie auch als Cop kann der Spieler mit Siegen beziehungsweise geschnappten Rasern zwanzig Stufen aufsteigen. Die Aufstiege schalten neue Wagen und einige Extras frei, mit denen die Verfolgungsjadgen noch interessanter werden. Spike-Strips lassen die Reifen der Verfolgre platzen, wenn sie im richtigen Moment platziert werden. Ein Impuls legt kurzzeitig die Elektrik des Vodermanns lahm, was vor einer Kurve besonders effektiv ist. Die Cops können außerdem Straßensperren anordnen oder einen Helikopter zu Hilfe rufen.

Inhaltlich gesehen war das alles. Der Spieler wählt die auf einer Landkarte von Seacrest County verteilten Rennen aus. Jedes Rennen darf beliebig oft wiederholt werden. Der Spieler hat weder Zugriff auf die Leistung des Wagens, er kann keine Einstellungen vornehmen und bis auf die Auswahl der Wagenfarbe die Optik nicht verändern. Doch das sind keine Minuspunkte. Die Macher von Hot Pursuit – das Studio Criterion, das mit der Burnout-Serie Spielegeschichte geschrieben hat – inszenieren die Rennen als actionlastige Orgien des Rasens und der Zerstörung.

Aus Raser-Sicht ist es eine gute Idee, jede Kollision zu vermeiden und stattdessen Tempo zu machen. Die Kurven nimmt der Raser im Drift, an Steigungen setzt er die Lachgas-Einspritzung ein, die sich durch gute fahrmanöver ständig von selbst auflädt. Der Polizist dagegen will den direkten Kontakt. Er beendet die Rennen, indem er Raser von der Straße rammt, in Sperren krachen lässt oder mit den Spike Strips lahm legt. Die Wagen halten dabei einiges aus und geben erst bei der vierten oder fünften gelungenen Attacke den Geist auf. Deshalb muss der Cop sich beeilen, denn die Rennen sind kurz, und es ist schon sehr früh im Spiel enorm schwer, alle Raser vor der Ziellinie außer Gefecht zu setzen.

Damit ein versierter Fahrer im Solo-Modus stets herausgefordert wird und die Computergegner nicht locker abhängt, hat Criterion sich etwas einfallen lassen, was bis zum Schluss für Spannung sorgen soll. Unabhängig davon, wie gut und fehlerfrei der Spieler fährt, ziehen die Computergegner dennoch immer wieder an ihm vorbei. Dagegen hilft kein Manöver, das ist so gewollt. Andererseits sorgt die KI dafür, dass die Gegner auch nicht zu weit enteilen. So soll jedes Rennen erst auf der Zielgerade wirklich entscheiden werden. Ein Start-Ziel-Sieg mit riesigem Vorsprung wäre schließlich langweilig.

Sehr gut ist der Online- und Multiplayer-Modus. Der Spieler kann seine Streckenrekorde  online posten und wird informiert, sobald ein Facebook-Freund den Rekord gebrochen und dies auf der virtuellen Pinnwand verkündet hat. Die Motivation, sich den Rekord zurückzuholen, ist sehr groß.

Fazit: Hot Pursuit ist Action pur, quasi das Stirb langsam 4.0 der Rennspiele. Criterion hat sehr gute Arbeit geleistet und der Serie nach dem Simulations-lastigen Shift eine neue Wendung gegeben. Jörg Pistorius

  •  Need for Speed Hot Pursuit: Entwickler Criterion, Publisher Electronic Arts. Erschienen für Xbox 360 (getestet), PS3, PC, Wii. Frei ab zwölf Jahren.

 

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