Fußball ist unser Leben: Fifa 12

Der jährliche Spieleherbst hat für Millionen fußballbegeisterter Zocker einen klaren Höhepunkt. Sobald die Tage kürzer und kühler werden, bringt Electronic Arts die aktuelle Fifa-Version auf den Markt. Die Zeiten, in denen sich diese Versionen nur sehr marginal voneinander unterschieden haben, sind offenbar vorbei. Fifa 12 ist interaktive Unterhaltung in Perfektion, macht akustisch und visuell jedes Wohnzimmer zur Fankurve, ist online so vielfältig wie noch nie und bedient den Zwei-Tasten-Kicker ebenso wie den taktisch versierten Rasenschach-Profi. Der Screenshot (Electronic Arts) zeigt Fernando Torres (Chelsea) in Aktion.

Ein Freundschaftsspiel im Profi-Modus: Verdammt. Kaka und Özil haben sich im Mittelfeld durchgesetzt und setzen zum Angriff an. Natürlich hat meine Abwehr beide auf dem Schirm, aber die Zeiten des Mottos Tastendruck-Zweikampf-Ballgewinn sind vorbei. Özil ist ganz einfach zu schnell. Ich greife mit Rio Ferdinand direkt an, doch mein Timing ist falsch. Ferdinand stolpert am Ball vorbei und Özil ist weg. Pass zu Gonzalo Higuain, der das Leder für die Dauer von vielleicht einer Sekunde perfekt abschirmt. Ich versuche, ihn mit Phil Jones – immerhin eines der größten Talente im englischen Fußball – am Torschuss zu hindern, doch vergebens. Diese eine Sekunde ist mehr, als Higuain braucht. An meinem Torwart David de Gea vorbei trifft er ins Netz. Real Madrid führt 1:0 gegen Manchester United, und ich unterdrücke den Impuls, mein Pad gegen die Wand zu pfeffern.

Der Ärger legt sich jedoch schnell und macht einer Erkenntnis Platz: Die Arbeit mit der Abwehr ist in Fifa 12 realistischer als jemals zuvor und entspricht dem Ideal einer ernsthaften Fußball-Simulation. Wer die Kakas, Özils und Messis dieser Welt stoppen will, muss wesentlich mehr tun als auf sie zurennen und auf die Tackling-Taste hämmern. Wie in der Realität reicht eine falsche Drehung des Abwehrspielers, und Gegner und Ball sind weg. Wenn Positionsspiel und Timing nicht genau stimmen, brennt es im Strafraum garantiert.

Tactical Defending nennt Electronic Arts dieses Feature, das den Einsatz von zwei Tasten und präzises Timing erfordert. Eine Herausforderung für Fans und Profis. Anfänger und Gelegenheitsspieler können durchatmen: Im Schwierigkeitsgrad Amateure ist die Abwehrarbeit wie früher mit einem Tastendruck zu regeln, und wer von zu vielen und komplexen Tastenmanövern nichts wissen will, kann seinem Controller die Zwei-Tasten-Steuerung zuweisen, die situationsabhängig die richtige Aktion auslöst. Da werden Erinnerungen an Sensible Soccer und Microprose Soccer auf dem Amiga 500 in den späten 80ern wach.

Tactical Defending ist nicht das einzige phonetisch aufsehenerregende Stichwort in Fifa 12. Die Player Impact Engine soll für die realistischsten Zweikämpfe sorgen – ein Anspruch, der tatsächlich erreicht wird. Die Physis der Spieler wird auch auf dem Bildschirm zum Faktor. Ein Wayne Rooney kann einen Abwehrspieler schon mal über den Haufen rennen, während ein Messi ihn mit seinem kleinen maschinengewehrschnellen Schritten austanzt und seine Rempel-Attacke ins Leere laufen lässt.  Nur beim Torjubel versagt die Engine immer mal wieder und sorgt für überraschend krasse Clipping-Fehler.

Auch der Begriff Precision Dribbling hört sich erstmal sehr gut an. Ebenso wie beim Tactical Defending geht es hier um ein komplexes und auf mehreren Controllermanövern beruhendes Stürmerverhalten. Wer es nach einigen Trainingseinheiten gelernt hat, kann die Abwehr des Gegners zur Verzweiflung treiben. Manöver dieser Art erfordern die Kombination einer Controller-Schultertaste mit einem Analog-Stick. Der Angreifer wird langsamer und führt den Ball enger am Fuß. Eine Stickbewegung löst dann ein Dribbling aus, dessen Erfolg auch von den grundsätzlichen und der Realität entsprechenden Attributen des Spielers abhängig ist. Auch hier Entwarnung für Anfänger: Auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad sprinten die Stürmer problemlos bis in den gegnerischen Strafraum, ohne dass ein Abwehrspieler auch nur in ihre Nähe kommt.

Präsentation und Atmosphäre sind so brilliant und intensiv wie immer. Jubelstürme, Fangesänge, hektische Rufe auf dem Platz – Fifa 12 bringt alles mit, was zum Fußballfieber gebraucht wird. Wie immer sind alle Stars, Stadien, Ligen und Vereine original. Die Zahl der Spielmodi ist so hoch wie nie. Im Karriere-Modus kann man jetzt neben der Manager-Rolle auch die eines einzelnen Spielers übernehmen, der seinen Verein zur Meisterschaft führt. Hier lässt Fifa 12 dem Nutzer die Wahl, ob er wie in „Be a Pro“ (hier steht wie schon in Fifa 11 auch die Rolle des Torwarts zur Verfügung) nur den einzelnen Spieler oder das gesamte Team kontrolliert.

Neu dabei ist das Ultimate Team: Hier stellt sich der Nutzer sein eigenes Wunschteam zusammen und tritt mit diesem on- und offline an. Witzig: Das Handling dieses Teams läuft nicht wie im Karrieremodus quasi-realistisch ab, sondern wird über Quartettkarten geregelt. Mit Siegen seines Teams erhält der Nutzer Credits, mit denen er neue Turniere und Karten-Sets freischaltet.

Fifa 12 tut viel dafür, seine Fans zuhause abzuholen und im weltweiten Netz wieder abzusetzen. Auch wer nur offline spielt, kann seine Leistungen über ein kostenloses Profil im Internet darstellen und mit Freunden vergleichen. Jeder Turniergewinn, jeder Sieg, sogar jeder einzelne Spielstart bringt Punkte. Challenges stellen berühmte Spiele der Fußballgeschichte nach, die der Spieler entweder wiederholen oder ihnen eine neue Wendung geben muss – eine herrliche Geschichte für Fußballfans.

Bereits vor der Veröffentlichung hat Fifa 12 Rekorde gebrochen. Fans haben das Spiel weltweit 800 000 Mal vorbestellt, die Fifa 12 Demo für PlayStation 3, Xbox 360 und PC hat in den ersten sieben Tagen eine Rekordmarke von fast 3,5 Millionen Downloads erreicht. Die Fußballsimulation wurde auf der Gamescom in Köln zum „Best Console Game“ gewählt, hat bei der E3 den „E3 Game Critics Award“ als „Best Sports Game“ erhalten und bislang weitere 23 Auszeichnungen gewinnen können. Jörg Pistorius

  • Fifa 12 wurde in 18 Sprachen lokalisiert (erstmals komplett in Arabisch) und in 51 Ländern veröffentlicht. Das Spiel ist erhältlich für Playstation 2 und 3, Xbox 360 (getestet), PC, Mac, Wii, Nintendo 3DS, PSP, iPhone, iPad, iPod touch und iOS Mobilgeräte.
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