Mass Effect 3: Spielend rettet der Mensch die Welt

Das Spiel hat den Film als Leitmedium der Unterhaltungskultur eingeholt. Aktuell zeigt das Science-Fiction-Epos Mass Effect 3, wie ein Spiel sowohl das Budget als auch die dramaturgische Kraft eines Films erreichen kann und dabei den Spieler vom bloßen Konsumenten zum Schöpfer des Geschehens erhebt.
Die Rollenspiel-Trilogie Mass Effect des Branchenriesen Electronic Arts hätte auch als Film funktioniert. Sie ist inhaltlich stabiler und vielseitiger als Transformers, optisch imposanter als Ghost Rider und Underworld zusammen – und die Mimik der virtuellen Darsteller um den zum Retter des Universums auserkorenen John Shepard ist zumindest nicht schlechter als die des Teenie-Traumpaars in Twilight. Als Film wäre Mass Effect ein Blockbuster unter vielen gewesen, als Spiel wird es zum Symbol der sich ändernden Konsumgewohnheiten in der Unterhaltungsindustrie. Kurz: Zusehen war gestern.

Die ersten beiden Teile der Mass-Effect-Serie gehörten 2007 und 2010 zu gefeierten Perlen ihres Genres, des Rollenspiels. Der Spieler übernimmt die Rolle des Menschen John Shepard, der in einer mit hohem Aufwand erdachten und präsentierten Zukunftswelt gegen die totale Vernichtung des bekannten Universums kämpft.

Die uralte Rasse der Reaper – raumschiffgroße Maschinenwesen – tritt an, um alles biologische Leben auszulöschen. Das tun sie nicht aus Bosheit, sondern als Teil des kosmischen Ganzen: Alle 50 000 Jahre sorgen sie quasi für einen universellen Neustart, damit sich das Leben, das Universum und der ganze Rest neu entwickeln kann.

Langsam wachsen Shepard und der ihn steuernde Spieler in ein berauschend buntes Zukunftsuniversum hinein, treffen auf fremde Völker und Kulturen, ermitteln und vermitteln, schaffen Bindungen, lösen Konflikte und greifen zur Waffe – Action muss sein, im Spiel wie im Film. Intrigen und Romanzen, Täuschung und Verrat, Kampf und Sieg – das Spiel nutzt dieselben Mittel wie der Film, um die Aufmerksamkeit des Spielers zu binden.

Doch der Unterschied ist gewaltig: Der Spieler prägt das Geschehen. Er entscheidet, mit wem er befreundet oder verfeindet ist, wem er hilft und wen er links liegen lässt, wer lebt oder stirbt. Er legt fest, mit welcher Mitstreiterin der Protagonist – der auch als Frau gespielt werden kann – platonisch befreundet ist und mit welcher er ins Bett geht.

Doch diese Ablenkung ist kurz, denn die Hauptaufgabe lautet, die Völker der Galaxis im Kampf gegen die Reaper zu vereinen. Viele Detailentscheidungen summieren sich und prägen das Ende, das der Spieler erlebt wie einen Fim, den er gemacht hat.

Der aktuelle Teil drei ist der Abschluss der Mass-Effect-Serie: Alle Missionen, Kämpfe und Verhandlungen Shepards in den herausragend guten ersten beiden Teilen haben nichts genutzt. Man hat ihm den nahenden Untergang nicht geglaubt. Jetzt ist es zu spät, die Reaper sind da, die Vernichtung beginnt, die Erde brennt. Es liegt am Spieler, ob und wie er das Ende verhindert. Jörg Pistorius

Mass Effect 3: Entwickelt von Bioware, veröffentlicht von Electronic Arts, erschienen für PC, PS3 und Xbox 360, frei ab 16.

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