Forza Horizon: Die geniale Raser-Party

Mal angenommen, es gäbe irgendwo ein Paradies der Raser, Racer und Tuner. Eine riesige Landschaft, in die sich kein Gesetzeshüter verirrt und in der Blitzer nur zum Dokumentieren neuer Geschwindigkeitsrekorde da sind. Eine Ecke der Welt, in der die besten Straßenfahrer gegeneinander antreten, in den Rennpausen eine niemals endende Party feiern und generell die Schönheit des Automobils preisen. Willkommen in Forza Horizon.

Mit der Marke Forza haben die Microsoft Studios den lukrativen Rennspielmarkt dominiert und die Erfolgsserie Need for Speed der Konkurrenz Electronic Arts überholt. Forza 3 und 4 waren 2009 und 2011 in Struktur und Optik klare Marktführer mit motivierenden Modi und einer überzeugenden Fahrphysik. Forza Horizon ist kein Forza 5, sondern hat den Charakter eines Spin-Offs: ein Arcade-Racer, der die kurzen, verrückten und in der Realität illegalen Straßenrennen feiert und sie in den Kontext eines riesigen Festivals setzt. Horizon. Dort tritt auch der Spieler an und kämpft um Zeiten, Credits und Respekt.

Eine Hintergrundstory hat die Forza-Serie noch nie gebraucht, und auch Forza Horizon bietet lediglich kurze Zwischensequenzen, in denen der Aufstieg des Protagonisten gezeigt wird. Das Horizon-Festival folgt einer strengen Hierarchie, die mit farbigen Bändern geregelt wird. Wer in höheren und schwierigeren Klassen antreten will, muss sich durch Siege qualifizieren und das dafür nötige Band erringen. Wer die während dieser Entwicklug immer mal wiede auftauchenden Rivalen schlägt, sackt deren Karren ein. Man kann natürlich auch neue kaufen oder die bereits gekauften tunen.

Rundstrecken, Offroad-Rennen, Etappenrennen durch den Gegenverekehr (es gibt Punkte für haarscharf vermiedene Kollisionen) und spezielle Herausforderungen wie ein Duell mit einem Flugzeug oder Heißluftballon (!) machen das Pilotenleben in Horizin interessant. Die Grafik bietet eine wirklich schöne Bühne: Blätter wirbeln, Sonnenstrahlen blitzen, und immer wieder tobt die riesige Festivalparty.

Die Autos in Forza sind aus mehr als 800 000 Polygonen bestehende Kunstwerke. Lack glänzt, Chrom blitzt, der Motor knurrt, brummt, donnert oder röhrt. Das kleinste Detail stimmt. Das Schadensmodell ist reine Kosmetik: Weder ist es möglich, die Boliden in einem Rennen zu Schrott zu fahren, noch muss man Zeit und Credits in Reparaturen investieren. Forza präsentiert sich als kurzweiliger Spaßraser, der auch Rennspielanfängern schnell Erfolge beschert. Schaltet man alle Fahrhilfen von der Ideallinie bis zum Bremsassistenten ein, sind Siege ein Kinderspiel. Auch die Rückspulfunktion ist wieder mit dabei: Der Spieler kann einen misslungenen Drift, eine falsch genommene Kurve oder ein anderes Missgeschick einfach wie einen Film zurückspulen und korrigieren. Das Abschalten aller Fahrhilfen macht aus Forza Horizon eine Herausforderung, den Härtegrad von Forza 4 erreicht es jedoch nicht.

Der Fuhrpark ist eine unglaubliche Sammlung rasender Kisten von Legenden wie dem 300 SL Gullwing Coupe (1954) und dem Aston Martin DB 5 (1964) über italienische Träume (Lamborghini Countach LP5000 QV) und germanische Wertarbeit (BMW M3, Audi Sport Quattro, VW Corrado) bis zu aktuellen Supersportlern (Mercedes-Benz C63 AMG Black Series, Eagle Speedster, Infiniti IPL G Coupe).

Fazit: Forza Horizon zielt auf den kurzen und intensiven Adrenalinkick in einer offenen Welt, die atmosphärisch dicht präsentiert wird, sogar mit drei eigenen Radiosendern. Paradise City für Raser und Racer. Jörg Pistorius

  • Forza Horizon: Entwickler Playground Games, Publisher Microsoft Studios. Erschienen für Xbox 360.
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