Black Ops II: Das Phänomen Call of Duty

Ein Umsatz von 500 Millionen Dollar in den ersten 24 Stunden nach dem Verkaufsstart:  Black Ops II, der aktuelle Teil der Shooter-Serie Call of Duty (Activision), ist bereits wenige Tage nach dem Release eine kommerzielle Naturgewalt und scheint zum erfolgreichsten Unterhaltungsprodukt überhaupt zu werden. Die Welt will in ihrer Freizeit eben Action sehen.

Die Marke Call of Duty ist die umsatzstärkste der Unterhaltungsindustrie. Kein Spiel, kein Film ist weltweit kommerziell so gefragt wie die beiden Serien, die diese Marke repräsentieren: Modern Warfare und Black Ops. Das am 8. November 2011 erschienene Modern Warfare 3 brachte Activision nach fünf Tagen einen Umsatz von 775 Millionen Dollar, nach 16 Tagen war es eine runde Milliarde. Auch die Vorgänger Modern Warfare (2007), Modern Warfare 2 (2009) und das Ende 2010 erschienene Call of Duty: Black Ops hatten schon Verkaufsrekorde gebrochen. Ebenso wichtig wie die Verkaufszahlen ist die Onlinebindung – eine grundsätzliche Stärke des Shooter-Genres. Black Ops II wird hier für einen neuen Run auf die Server sorgen. Grob geschätzt spielen weltweit mehr als 40 Millionen Menschen die Mulitplayer-Modi von Call of Duty – regelmäßig.

Am 13. November 2012 haben Millionen Fans 16 000 Mitternachtsverkäufe auf der ganzen Welt besucht. Entsprechend dieses Andrangs hat Call of Duty: Black Ops II in den ersten 24 Stunden Konversationen auf sozialen Kanälen auf der ganzen Welt bestimmt, es war ein Top-Thema auf Twitter in 23 Städten. Außerdem wurde der Surprise-Launch-Trailer zum Spiel auf YouTube 30 Millionen Mal seit seiner Veröffentlichung am 29. Oktober angeschaut. „Call of Duty wurde zu mehr als einem Produkt, das Leute kaufen. Es ist eine Marke, in die sich Leute einkaufen. Und jedes Jahr im November veröffentlichen wir nicht nur ein neues Spiel. Wir starten die Call of Duty-Saison, ein jährliches, inoffizielles aber weltweites Phänomen“, so Eric Hirshberg, CEO von Activision Publishing.

Die Welt will Action. Die Welt will ballern. Call of Duty bietet beides reichlich. Seit Jahren präsentiert Activision den Fans mit höchsten technischen Aufwand produzierte und dabei inhaltlich wie strukturell simple Inzensierungen von Gefechten vom Schleicheinsatz hinter den feindlichen Linien bis zum Frontalangriff. Es donnert im Sekundentakt. Raketen schlagen ein, Hubschrauber greifen an, Schiffe sinken, Hochhäuser stürzen ein. Taktische Finesse ist nicht gefragt, schnelle Reaktionen sind alles. Call of Duty funktioniert auf derselben Ebene wie das Moorhuhn. Schneller schießen, besser zielen.

Das ist natürlich nicht alles. Das Geschehen am Bildschrim ist derart hochwertig, dass allein das Zuschauen schon Spaß macht. Call of Duty wirft den Spieler mitten in der Hitze des Gefechts ab und lässt ihn atemlos von einer Deckung zur nächsten hetzen. Das geradezu meditative Reagieren auf derart intensive optische Reize ist ein Grundzustand der Shooter-Fans. Die Erzählebene war hier viele Jahre lang sekundär, auch die Modern-Warfare-Reihe bot lediglich eine oberflächliche Story mit dem üblichen bösen Super-Terroristen, der die Welt in der Abgrund stürzen will.

Doch mit Black Ops kam auch eine Story ins Spiel, die den Spieler zu binden imstande war. Black Ops, die schwarzen Militäroperationen, die nicht durch Kriegsrecht oder nationale Gesetze gedeckt sind. Der erste Teil der Serie erschient 2010 und spielte mitten im Kalten Krieg. Black Ops II führt in die Zukunft: Wir schreiben das Jahr 2025. Ein neuer Kalter Krieg erschüttert die Welt. Ein Konflikt der über moderne Waffentechnologie, Dronen und Robotik ausgetragen wird und dessen Wurzeln in den politischen Geschehnissen der Gegenwart liegen.

Black Ops II ist eine Premiere innerhalb der Serie. Noch nie hat Activision die Fans seiner Shootermarke mit tatsächlicher Entscheidungsfreiheit konfrontiert. Zielen, ballern, sprengen – Checkpoint erreicht – zielen, ballern, rennen – Checkpoint erreicht – nochmal ballern – Levelende. So sah das bisher aus – auf hohem optischen Niveau. Die Intensität der Gefechte und die vom Spieler geforderten schnellen Reaktionen  bleiben natürlich prägende Elemente des Spielerlebnisses. Dennoch genügt genaues Zielen und schnelles Reagieren nicht mehr. Der Spiele rmuss jetzt an bestimmten Schlüsselstellen Entscheidungen treffen. Diese prägen schließlich das Finale, es gibt sechs verschiedene Enden von Black Ops II. Diese strukturelle Änderung macht aus dem Solomodus mehr als nur eine Aufwärmphase für Multiplayer-Matches. Zudem ist er wesentlich länger als in früheren Teilen der Serie.

Dennoch bleibt der Multiplayer-Part die Stärke und auch der Umsatzgarant der Serie. Der Entwickler Treyarch ist sich dessen bewusst und hat erstmals Ligen eingeführt, welche die Spieler nach Erfahrung in passende Matches einteilt und Saisonranglisten ermöglicht. Spieler können Matches bestreiten, um die Einstufung ihres Könnens zu erhalten – von da an werden sie in eine Division mit Spielern ähnlicher Fähigkeiten platziert. Gewinnen sie, steigen sie im Rang auf – stetiger Fortschritt wird sie in den Ranglisten nach oben in höhere Divisionen bringen. Auf Können basiertes Matchmaking garantiert, dass Spieler stets gefordert, aber nie chancenlos sind.
 
Black Ops II bringt die beliebtesten Modi zurück und gibt Spielern diverse Erweiterungen an die Hand, mit denen sie ihr Spielerlebnis definieren können. Alle zielbasierten Modi sind nun rundenbasiert (Beispiel: in „Domination“ wechseln Spieler die Seiten, sodass Angriff und Verteidigung gleichermaßen gefordert sind). In Black Ops II können drei Spiel-Modi im Multiteam-Modus gespielt werden: „Team Death Match“, „Hardpoint“ und „Kill Confirmed“. „Hardpoint“ ist ein neuer Spiel-Modus, der von den klassischen Modi im „King of the Hill“-Stil inspiriert wurde – Spieler kämpfen um die Kontrolle über die Karte, wobei die umkämpften Zonen stetig wechseln.
 
Zombies, anyone? Es steckt eine Menge tiefschwarzer Humor in den Modi mit den Untoten, die Fans lieben sie. Black Ops II bietet drei Arten, die Zombie-Apokalypse zu überleben. Spieler enträtseln das Mysterium um eine sterbende Erde in Tranzit, bekämpfen endlose Horden von Zombies im Survival-Modus oder stellen sich der Herausforderung im neuen 4z4 last-human-standing Modus Grief.

Fazit: Auf ins Gefecht. Jörg Pistorius

  • Call of Duty: Black Ops II: Entwickler Treyarch, Publisher Activision, in Deutschland komplett uncut für Xbox 360 (getestet), Playstation 3 und PC, in Vorbereitung für Wii U. Frei ab 18 Jahren.
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