Halo 4: Eine Shooter-Sinfonie

Der Masterchief. Er ist der Beste.

Der Masterchief. Er ist der Beste.

Halo. Ein Name, eine Marke, ein Kult und 34 Millionen verkaufte Spiele innerhalb von elf Jahren. 2002 war der erste Teil der Halo-Serie, in Deutschland hieß er „Halo – Kampf um die Zukunft“, für viele Spieler DER Grund zum Kauf der ersten Xbox. Halo zeigte uns, dass ein Shooter mehr sein kann als Reaktionstests innerhalb linearer Level voller gescripteter Ereignisse. Die Qualität der Maps und Gefechte ist legendär. Und heute holt Halo 4 optisch, akustisch und strukturell das Optimum aus der Xbox 360 heraus.

 David Fincher und Tim Miller gehören zu Hollywoods Superstars. Fincher hat die abgründige und überraschende Wohlstandskritik Fight Club und die Facebook-Entstehungsstory The Social Network gedreht. Miller ist ein Experte für Visual Effects, seine Referenzen heißen Verblendung und die optisch großartige Computerspiel-Film-Persiflage Scott Pilgrim vs. The World. Die enorme Bedeutung der Marke Halo ist allein schon daran zu erkennen, dass Microsoft einen der besten Regisseure Hollywoods und eiinen der besten Trickspezialisten engagiert hat – um den zweiminütigen Launch-Trailer zu drehen.

Natürlich ist nicht nur dieser Trailer großes Kino. Von der ersten Sekunde an machen Microsoft und der neue Entwickler 343 Industries – Bungie ist nicht mehr dabei – den Spielern klar, dass sie mit Halo 4 ein Ausnahmeprodukt vor sich haben. Nach dem ersten Starten betrachtet der Spieler den Titelbildschirm – und tut erstmal nichts, denn er hört den Soundtrack des  Briten Neil Davidge. Wunderschön, sinfonisch, mit einem klaren Sopran im Vordergrund. Kurz die Augen schließen und zuhören: Es lohnt sich.

Halo 4 spielt vier Jahre nach den Ereignissen im 2007 erschienenen Halo 3: Der Masterchief liegt im Kälteschlaf auf dem demolierten Kreuzer Forward Until Dawn. Seine alte Partnerin, die allmählich degenerierende KI Cortana, weckt ihn auf. Dafür hat sie ihre Gründe, denn die Lage ist katastrophal. Die Forward Until Dawn umkreist einen Blutsväter-Planeten, den eine komplette Allianz-Flotte umkreist. Viel Feind, viel Ehr‘. Der Masterchief übernimmt nach einer Pause in Halo 3: ODST und Halo: Reach wieder die Hauptrolle und macht sich sofort an die Arbeit.

Blutsväter, Allianz – wer bisher noch nie mit einem der Halo-Spiele zu tun hatte, wird nicht sofort durchblicken. Ein paar Klicks in die zahllosen Halo-Foren dieser Welt werden diesen Zustand schnell beheben. Der Masterchief zieht in die Schlacht und trifft sofort auf die bekannten Allianz-Krieger von den kleinen Wichtelmännchen bis zum mordsgefährlichen Elite. Sie zeigen das wie immer hochwertige Halo-KI-Verhalten, greifen an, flüchten, weichen aus, formieren sich neu. Welch eine wirtschaftliche Wucht hinter diesem Titel steckt, merkt der Spieler zum ersten Mal am Ende des ersten Levels. Dann (Achtung: Mini-Spoiler) bricht die Forward Until Dawn um den Masterchief herum auseinander und stürzt auf den Blutsväter-Planeten. Diese Sequenz ist mit aufgedrehter 6.1-Anlage purer Genuss.

Auf dem Planeten erweitert die neue Spezies der Prometheaner die Halo-Feuergefechte, in die sich der Masterchief stürzen muss. 343 Industries holt aus der mittlerweile sieben Jahre alten Xbox 360 grafisch mehr raus, als man für möglich hätte halten können. Die Solokampagne ist relativ kurz, Veteranen werden kaum mehr als fünf oder sechs Stunden brauchen. Wer über die klassischen Schwierigkeitsgrade wie „normal“ nur verächtlich grinsen kann, schaltet eine beliebige Auswahl an Schädeln zu und aktiviert damit Optionen, die das Spiel schwerer und intensiver machen. Die Kampagne ist großartig inszeniert. Die in einem Shooter zum Erreichen des Levelendes nötigen Aktionen – Schießen, Deckung, Angriffs- und Ausweichroute, Waffenwechsel, wieder Angriff, wieder Deckung – werden zu einem perfekt inszenierten Fluss innerhalb einer optimalen Darstellung virtueller Gefechte.

Doch Solokampagnen in Shootern sind für viele Fans lediglich eine Aufwärmphase für packende Mehrspielergefechte. Neben den bereits aus Halo: Reach bekannten War Games bietet Halo 4 die Spartan Ops. Diese bilden eine zweite Kampagne, die man allein oder mit bis zu drei weiteren Spielern online angehen kann. Hier übernimmt der Spieler nicht die Rolle des Masterchief, sondern erstellt seinen eigenen Spartan, den er durch Missionen mit eigenen Zwischensequenzen führt. Jede Mission umfasst fünf Einsätze. 50 Missionen sind geplant, alle zwei bis drei Wochen kommt ein neues Kapitel dazu.

Fazit: Action- und Science-Fiction-Fans kommen an Halo 4 nicht vorbei. Halo-Fans sowieso nicht. Jörg Pistorius

  • Halo 4: Entwickler 343 Industries, Publisher Microsoft Studios. Erschienen für die Xbox 360, frei ab 16 Jahren.
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