Dead Space 3: Das Grauen im All

Im Koop-Modus durch die Alien-Geisterbahn: Jack Carver (links) und Dead-Space-Veteran Isaac Clarke. Foto: EA

Im Koop-Modus durch die Alien-Geisterbahn: Jack Carver (links) und Dead-Space-Veteran Isaac Clarke. Foto: EA

Spiele, die wirklich Angst machen, sind selten. Grusel, Splatter und Action bietet der Softwaremarkt in rauen Mengen, aber echte Angst? Ich kenne genau drei Titel dieser Art. Dead Space, Dead Space 2 und jetzt auch Dead Space 3. Wenn jedes kleine Geräusch zusammenzucken lässt, wenn hinter jeder Tür der Horror lauert, wenn erfahrene Gamer die Nerven verlieren – dann ist der Spieler im Dead-Space-Universum gefangen.

Ein Mensch allein gegen ein finsteres Raumschiff voller mörderischer menschenfressender Monster – die Idee ist simpel und im Filmgeschäft durch Alien perfekt umgesetzt. Als die damals noch junge Sigourney Weaver 1979 durch die engen Gänge der Nostromo schlich und jeden Sekundenbruchteil den Angriff des Alien erwarten musste, zitterte der Zuschauer in seinem Sessel. Der Spieler vor seinem Bildschirm zitterte jedoch nicht, er gähnte eher. Kein einziges der vielen Alien-Spiele in den letzten beiden Jahrzehnten konnte echte Angst auslösen, auch aktuell versagt Alien: Colonial Marines hier total. Wie man den Themenkomplex Aliens – Weltall – Angst in einem Spiel optimal umsetzt, zeigten Electronic Arts und Visceral Games erst 2008 mit einer völlig neuen Horrorvision: Dead Space.

Damals waren Kritiker ebenso wie Spieler geschockt. Das erste Dead Space war der nervenzerfetzende Überlebenskampf des Ingenieurs Isaac Clarke, der sich durch das finstere Minenschiff Ishimura bewegen musste. Irgendetwas hat die frühere Besetzung in mörderische geifernde Monstrositäten verwandelt, die aus dunklen Ecken über den armen Clarke herfallen. So mutig war noch kein großer Publisher vorher: Dead Space verlangte dem Spieler enorme Nervenstärke ab. Ein Freund und Kollege von mir, ebenfalls leidenschaftlicher Gamer, gab irgendwann zu: „Ich habe mittendrin aufgehört, es war zu gruselig.“

Dead Space setzte dabei nicht nur auf Schockeffekte, sondern auch auf Schauwerte. Die Ishimura war grandios konstruiert und dargestellt. Von Deck zu Deck kämpfte sich der arme Clarke vor, manchmal ohne Schwerkraft und mit schwindendem Sauerstoffvorrat, setzte Systeme wieder in Gang und musste sich immer wieder gegen mörderische fiese Viecher wehren, denen man noch grob ansah, dass sie vorher mal Menschen waren. Die Akustik trug von Anfang an einen großen Teil des Horrors. Der 5.1-Sound schickte das metalliche Ächzen und Seufzen des riesigen Schiffes aus allen Richtungen, immer mal wieder platzte eine Leitung oder grollte ein Monster hinter der nächsten Ecke. Der sehr gute symphonische Soundtrack schaffte es ebenfalls, den Puls des Spielers in die Höhe zu treiben.

Dieses Meisterstück hatte Folgen. 2011 erschien die Fortsetzung Dead Space 2 am Horizont. Sechs Mal musste die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK)  überprüfen, ob Dead Space 2 mit dem Siegel „Keine Jugendfreigabe“ in Deutschland überhaupt verkauft werden durfte. Ohne dieses Siegel gibt es auch keinen Verkauf an Erwachsene. Doch auch ein Veto des Freistaats Bayern nutzte nichts, nach der sechsten Prüfung gab die USK den Titel zum Verkauf an erwachsene Spieler frei. Ein Glück, denn so ging der Schrecken weiter, die Hintergründe einer komplexen Story traten hervor und schufen die Basis für ein komplettes Dead-Space-Medienuniversum mit Spielen, Büchern, Comics und dem Animationsfilm Aftermath.

Diese Story geht in Dead Space 3 weiter, und die Ausgangslage ist hoffnungsloser als jemals zuvor. Um nicht zu spoilern, gehe ich in diesem Test nicht auf die Details der Story ein. Im Grundsatz kämpft Isaac Clarke wieder gegen die Ausbreitung der Marker und damit jenes Einflusses, der Menschen zuerst zu paranoiden Wahnsinnigen macht und nach ihrem Tod die Leichen als groteske Monstrositäten wieder auferstehen lässt. Bedauerlicherweise hat dieser Einfluss auch Anhänger: Die sogenannte Unitology-Sekte will die Menschheit auslöschen und strebt einen Neuanfang an. So hat Isaac Clarke zum ersten Mal auch menschliche Gegner.

Damit nähert sich Dead Space 3 der Actionschiene und bietet Elemente des klassischen Shooters – eine Ausrichtung, die viele Fans der ersten beiden Titel nicht erfreuen dürfte. Dennoch ist auch Dead Space 3 immer noch purer Horror. Isaac Clarke kämpft, überlebt, löst physikalische Rätsel und kämpft weiter. Dead Space 3 setzt den armen Kerl nicht nur in finsteren Raumschiffen ab, sondern auch auf dem Eisplaneten Tau Volantis.  Die extremen Schneestürme wirken ebenso intensiv wie die Enge eines düsteren Raumschiffs. Wenn der geifernde Tod aus dem brüllenden Schneesturm herausbricht, hüpft der Spieler wieder in seinem Sessel. Die Grafik und vor allem die räumlichen Toneffekte und der starke Soundtrack machen auch den dritten Teil der Serie zum großen Horror-Kino, Visceral Games hat die gewohnte Qualität abgeliefert.

Während die Solo-Kampagne den aus den ersten beiden Teilen gewohnten Schrecken bietet, ist der Koop-Modus eine völlig neue Art, einen Dead-Space-Titel zu erleben. Zwei Spieler – Sergeant John Carver schließt sich Isaac Clarke an – kämpfen gemeinsam gegen die mörderischen Viecher und den Untergang der Menschheit, aber auch gegen die Visionen, Verwirrung und Demenz, die die Marker auslösen. Dieser Modus erweitert das Geschehen in der Kampagne und bietet besondere Schockmomente, wenn einer der beiden Protagonisten unter den Einfluss des Markers gerät.

Fazit: Dead Space 3 ist trotz einzelner Action-Anteile immer noch hochklassiger Science-Fiction-Horror. Mein Tipp: während des Spiels im Wohnzimmer alle Lichter ausschalten und die Anlage aufdrehen. Jörg Pistorius

  • Dead Space 3: Entwickler Visceral Games, Publisher Electronic Arts. Erschienen für Xbox 360 (gestestet), Playstation 3 und PC. Frei ab 18 Jahren. 

 

 

 

 

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