Crysis 3: Der Jäger in uns

Prophet auf der Pirsch: Crysis 3 berührt den Jäger in uns. Screenshot: EA

Prophet auf der Pirsch: Crysis 3 berührt den Jäger in uns. Screenshot: EA

Das deutsch-türkische Entwicklerstudio Crytek aus Frankfurt hat die Spieleindustrie mit Far Cry (2004) und Crysis (2007) weltweit beeindruckt: Beide Shooter zeigten zu ihrer Zeit eine den Markt dominierende grafische Brillianz. Danach stieg Crytek aus Far Cry aus und konzentierte sich auf die Weiterentwicklung der Crysis-Serie, die 2011 mit dem ebenfalls bombastischen zweiten Teil fortgestezt wurde. Jetzt schließt Crysis 3 die Trilogie um Prophet, den Nanosuit, die Söldnerarmee von C.E.L.L. und die außerirdischen Ceph ab – wieder optisch und strukturell auf Champions-League-Niveau.

New York ist eine Ruine. Früher stolze Wolkenkratzer sind nur noch hässliche Skelette, die Straßen Kraterlandschaften. Doch die Wunden der Metropole sind schon alt,  die Natur hat bereits große Teile zurückgefordert. New York wird zum Regenwald, kontrolliert von der korrupten Söldnerarmee C.E.L.L.. Mit Hilfe dieser Armee will das Crynet System zwar angeblich die Menschheit vor den außerirdischen Ceph und ihrem tödlichen Virus beschützen, aber quasi parallel dazu auch die Weltherrschaft übernehmen. Das kann Prophet nicht zulassen. Deshalb tritt er nochmal gegen die Söldner an – und ebenfalls gegen die Ceph, denn auch die Außerirdischen spielen weiter mit.

 Aber ist Prophet überhaupt noch ein Mensch? Oder ist der frühere Elitesoldat durch die Verbindung mit dem Nanosuit mittlerweile eher ein Stück Hardware mit Bewusstsein? Oder ist er zu etwas völlig Neuem geworden, einer Kombination aus Mensch, Machine und Alien? Zur Erinnerung: Am Ende von Crysis 2 legt Prophet dem Soldaten Alcatraz den Nanosuit an und tötet sich anschließend selbst, da er mit dem Ceph-Virus infiziert war. Doch der Anzug hat seine Erinnerungen gespeichert. Alcatraz wird so zum neuen Prophet und opfert sein Dasein als Mensch, um die Menschheit zu retten. Wie weit dieses Opfer reicht, zeigt das Finale von Crysis 3.

Bis zu diesem Finale erlebt der Spieler in der sieben lange Missionen umfassenden Solokampagne herausragend gut inszenierte Action. Der Nanosuit lässt dem Spieler die Wahl: Schaltet er die Panzerung ein und ballert sich auf Teufel komm raus durch die Gegner? Oder aktiviert er die Tarnung und beseitigt die Söldner von C.E.L.L. unsichtbar und lautlos? Das Spiel fördert klar die Tarnung und gibt Prophet deshalb eine neue Waffe an die Hand: einen Bogen, der lautlos Projektile verschießt, die ahnungslos herumtappende Söldner gegen die nächste Wand jagen, in die Luft sprengen oder per Elektrostoß rösten. Kombinationen der Geschossart mit der jeweiligen Umgebung sind sinnvoll und erwünscht. So kann ein einziger Elektropfeil eine komplette Gegnergruppe außer Gefecht setzen, wenn sie gerade durch einen Fluss watet.

Mit dem Bogen auf der Jagd – so will und sollte Crysis 3 gespielt werden. Die Tarnung reicht immer nur für einen bestimmten Zeitraum, danach ist die Energie des Nanosuits erschöpft und muss sich erst wieder aufladen. Wer in einem solche Moment außerhalb jeder Deckung in freier Schussbahn steht, wird vom Jäger zum Wild. In einzelnen Situationen ist natürlich dennoch die Volle-Kraft-Voraus-Methode gefordert: Panzerung an, Bogen weg, großkalibrige Waffe durchgeladen und Attacke.

Dieses Katz-und-Maus-Spiel taucht auch als Mulitplayer-Modus auf, mit dem EA schon auf der Gamescom 2012 viele neugierig gemacht hat. Fünf C.E.L.L.-Soldaten versuchen zwei Minuten lang, zwei getarnten und mit Bogen ausgerüsteten Jägern zu entkommen. Werden sie getroffen, spielen sie selbst als Jäger weiter. Simpel, aber sehr motivierend.

Fazit: Crysis 3 basiert auf dem sehr hohen NIveau seiner beiden Vorgänger und ist sowohl in der Solokampagne als auch in den Multiplayer-Modi ein sehr starker und motivierender Shooter. Jörg Pistorius

Crysis 3: Entwickler Crytek, Publisher Electronic Arts. Erschienen für Xbox 360 (getestet), Playstation 3, PC. Frei ab 18 Jahren.

 

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