Battlefield 4: Definitiv keine Poesie

Battlefield4

Wer Bruce Willis in einem beliebigen Teil der Stirb-langsam-Reihe sieht, sollte nicht auf die Idee kommen, sich über die platte Handlung oder fehlende darstellerische Tiefe zu beschweren. Solche Elemente gehören nicht zum Angebot. Dafür kracht es im Sekundentakt. Gebäude stürzen ein, Fahrzeuge explodieren – eine Ode an die Kunst der Zerstörung. Genau so funktioniert Battlefield 4, und zwar famos. Wer eine starke Story will, soll doch bitte den Controller weglegen und lieber ein gutes Buch lesen oder mal ins Theater gehen.

Es ist eine Sensation, ein Skandal, ein Musterbeispiel des investigativen Journalismus. Testmagazine und Internetportale überschlagen sich, um ihre Botschaft in die Welt hinauszuschreien. Schwächen in der Battlefield 4-Solokampagne aufgedeckt! Logikfehler! Blasse Figuren! Vorhersehbare Handlung voller Klischees! Liebe Kollegen, was habt ihr denn bitte erwartet? Die Antwort unserer Generation auf die Buddenbrooks? Battlefield 4 hält genau das, was er verspricht: intensive Gefechte, eine bombastische Präsentation und sehr starke und motivierende Multiplayer-Modi. Diese sind ohnehin die Basis des Spiels. Die fünf bis sechs Stunden dauernde Solokampagne ist wie immer nur eine Aufwärmphase. Diesen Eindruck bestätigt ein neu eingesetztes Punktesystem, das Aktionen in der Kampagne auf der Basis ihrer Präzision und Effektivität bewertet. So will Battlefield 4 den Solospieler für Multiplayerschlachten motivieren. Es funktioniert.

Der Einzelspielermodus versetzt den Spieler in die Rolle von Sgt. Daniel Recker, einem Mitglied des U.S. Marine Corps sowie des Tombstone-Squads. Die Welt steht am Rande des Chaos, China ist ein Pulverfass, es droht ein globaler Konflikt. So weit darf es nicht kommen, deshalb zieht der Spieler sowohl zu Fuß als auch am Steuer von Land-, Wasser- und Luftfahrzeugen in die Schlacht. Diese ist grandios inszeniert. Das schwedische Entwicklerstudio Dice holt mit der Frostbite 3 Engine eine Optik aus der betagten Xbox 360 raus, die im Shooter-Segment klar herausragt. Auf den kurz vor ihrer Markteinführung stehenden neuen Maschinen, der Playstation 4 und der Xbox One, wird das Festival der Feuerstöße besser aussehen.

Im Multiplayermodus entsendet Battlefield 4 den Spieler sowohl in Squad-Gefechte auf kurze Distanzen als auch in riesige Schlachten, in denen sie das Steuer von Panzern, Jeeps, Jets, Hubschraubern und Wasserfahrzeugen übernehmen. Egal, ob sie sich in einem Jet in den Luftkampf gegen das feindliche Team stürzen oder gemeinsam mit ihren Squad-Kameraden an Bord eines Schnellbootes angreifen – der Multiplayermodus von Battlefield 4 bietet immer die Freiheit der Entscheidung. Die Spieler können ihr Team zum Sieg führen, indem sie sich an vorderster Front in die Schlacht stürzen, sich die perfekte Scharfschützenposition suchen oder schwerbeschädigte Fahrzeuge reparieren. Im Multiplayer spielt der Edelshooter seine Stärken aus und verdient dabei Höchstnoten.

Fazit: Bruce Willis wird niemals Shakespeare-Sonette lesen, Battlefield-Spiele werden nie mit Anthony Hopkins in der Hauptrolle verfilmt. Macht nix. Die Story ist irrelevant, die Action ist das Maß der Dinge. Glückwunsch, Dice. Das habt ihr gut gemacht. Jörg Pistorius

  • Battlefield 4: Veröffentlicht von Electronic Arts, entwickelt von Dice. Erschienen für Xbox 360 (getestet), Playstation 3 und PC. Am 21. November folgt eine Version für die Xbox One, am 28. November eine für die Playstation 4. Das Spiel ist frei ab 18 Jahren.
Share