Dark Souls 2: Dieser Weg wird kein leichter sein

Dark Souls 2 III

Der Test von Dark Souls 2 ist Erlebnis und Martyrium.  Zwei Dinge lassen sich sagen: Der Titel des japanischen Studios From Software ist eines der besten Spiele der alten Konsolengeneration und erreicht die Klasse seines genialen Vorgängers. Na gut, drei Dinge: Wer hier den Abspann erreicht, darf sich für besser halten als der Rest. 

Vor langer Zeit war die Welt noch eine andere. Computerspieler hatten noch kein Internet, in dem sie Foren, Tests und Walkthroughs in Hülle und Fülle fanden. Sie hatten noch keine Tutorials, unbegrenztes Speichern gab es nicht. Und oft hatten sie keine Ahnung, was sie im Spiel erwartete. Dungeon Master für den Amiga 500 war ein solches Spiel, das – wie gesagt vor langer Zeit – wegen seiner mörderischen Schwierigkeit viele Spieler in Wahnsinn und Verzweiflung trieb. Heute sind Frustvermeidung, leichte Zugängilchkeit und einstellbare Schwierigkeitsgrade Standard, die meisten Spielmechaniken würde ein Fünfjähriger beherrschen. Die Schauwerte zählen, nicht die Leistung des Spielers.
Doch ein Studio erinnerte sich an diese alten Zeiten, in denen die Spiele fremd und sehr fordernd waren. Und so schuf dieses Studio Action-Rollenspiele, in denen der Spieler Geduld, Umsicht, Nervenstärke und hohe Fertigkeiten im Kampf zeigen musste, um auch nur den Schritt um die nächste Ecke zu überleben. Bosskämpfe wurde zu Projekten, deren Lösung Tage oder Wochen  dauern konnte. Zur großen Überraschung aller Beteiligten wurden Demon’s Souls (2009) und vor allem Dark Souls (2011) trotz ihres mörderischen Schwierigkeitsgrades zu weltweiten Erfolgen.

Denn es zeigte sich: Viele Spieler WOLLEN gefordert werden. Vor allem dann, wenn man ihre Leistung mit großartigem Gameplay, atemberaubenden Welten und enormer Spannung belohnt. Das mittlerweile drei Jahre alte Dark Souls gilt als eines der besten Spiele für Xbox 360, Playstation 3 und PC, als eines der besten Rollenspiele und als eines der besten Spiele generell. Und das völlig zurecht. Die Erwartungen an den morgen (Freitag, 14. März) erscheinenden Nachfolger Dark Souls 2 sind entsprechend hoch. Ich habe eine Vorabversion getestet.

Der Spieler steuert eine Figur, deren Charakterwerte er rollenspieltypisch bestimmt. Klassen wie Warrior, Ritter Zauberer oder – für Spaßvögel – der nur mit einem Holzknüppel bewaffnete Bettler ohne Rüstung stehen zur Auswahl. Mit dieser Figur betritt man das Reich Drangleic. Die mittelalterliche Welt mag einst ein schöner Ort gewesen sein. jetzt ist sie verflucht und bevölkert von Untoten, Monstern und Dämonen. Die Aufgabe des Spielers ist zu Beginn ebenso nebulös wie viele der herrlich düsteren Landschaften, Burgen und Dungeons. Finde den König, sagt man ihm. besiege die vier Dämonen. Doch das Grundkonzept lautet: Überlebe die nächsten paar Sekunden.

Und so läuft man los. Und stirbt. Denn laufen ist in den Dark-Souls-Spielen nicht angesagt und führt zum sicheren Ableben. Vorsichtiges Pirschen mit Schild und Schwert im Anschlag ist die bessere Wahl. Wie bereits im Vorgänger gibt es in Dark Souls 2 keine Confidence Builder, die man mit einem Mausklick wegfegt, keine Monster der untersten Liga, die keine Chance gegen den mächtigen Spieler haben. Schon die ersten gesichteten Untoten machen die Unvorsichtigen und Übermütigen gnadenlos platt. Respekt vor jedem Gegner ist hier eine der Basislektionen.

Die Umgebung in Dark Souls 2 ist ein Erlebnis für sich, auch wenn man der Engine ihr Alter ansieht. Dennoch ist das Erleben einer komplexen Welt in Dark Souls 2 so intensiv wie im Vorgänger. Es gibt keine Ladepausen, keine Levelwechsel, keine lineare Führung. Der Spieler kann sich wenden, wohin er will. Wenn er auf Abwege gerät, die noch nicht seiner Leistungsfähigkeit entsprechen, merkt er das sehr schnell, indem er in Sekundenbruchteilen stirbt.

Das Kampfsystem ist eines der besten des Rollenspielgenres. Ein kurzer, scheller und ein längerer, harter Schlag liegen auf der rechten Controllerseite, eine zweite Waffe oder ein Schild auf der linken. Jede Aktion kostet Ausdauer. Ist deren Balken leer, ist die Figur wehrlos. Und stirbt. Was sonst. Alle Gegner haben Bewegungsmuster, die man erkennen und nutzen muss. Was manchmal eine Zeitlang dauert. Keiner der Bosse wird im ersten Anlauf fallen. Dark Souls 2 folgt dem Prinzip „Lernen durch Ableben“. Jeder Bildschirmtod ist die Folge eines Fehlers, den der Spieler gemacht hat. Die Botschaft ist klar: Mach es das nächste Mal besser.

Das alles wäre noch nicht mal schlimm. Doch Dark Souls 2 fordert nicht nur Leistung, sondern bestraft auch jedes Versagen. Speichern kann der Spieler nur an den seltenen Lagerfeuern, die immer zwischen einzelnen Abschnitten liegen. Stirbt er vorher, fällt er zum letzten Lagerfeuer zurück. Noch schlimmer: Die zum Aufleveln und Ausrüsten benötigte Währung von Dark Souls 2 sind die Seelen der erschlagenen Gegner. Segnet der Spieler das Zeitliche, verliert er die gesammelten Seelen und hat nur eine Chance, sie durch erreichen des Ortes seines Bilschirmtodes wiederzugewinnen. Zu diesem Ort muss er sich natürlich wieder hindurchkämpfen, denn jedes Speichern am Lagerfeuer und jeder Tod sorgt für eine generelle Wiederbelebung aller bis dorthin erschlagenen Gegner. Nur die großen Bosse bleiben tot. Stirbt der Spieler auf dem Weg zu seinen verlorenen Seelen ein zweites Mal, sind sie weg. So kann ein Moment des Übermuts einen zäh erkämpften Levelfortschritt vernichten.

Dark Souls 2 ist ebenso faszinierend und fordernd wie sein Vorgänger. In keinem anderen Spiel ist die Adrenalinausschüttung höher und die Freude über einen Sieg größer. Der Reiz des Erkundens einer offenen Welt und die Herausforderung, übermächtig scheinenden Gegnern gegenüberzutreten, erschaffen eine von keinem anderen Titel erreichte Motivation.

Es ist tatsächlich so: Wer den Abspann von Dark Souls und Dark Souls 2 sieht, ist besser als der Rest. Jörg Pistorius

  • Dark Souls 2: Publisher Namco Bandai, Entwickler From Software. Ersceinungstag für Xbox 360 (getestet) und Playstation 3 Freitag, 14. März. PC-Fassung folgt später. Frei ab 16 Jahren.
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