Klassiker als Special Editions auf DVD

 

Ein Preis für den Schleifer: Louis Gossett Jr. (rechts) erhielt für seine Darstellung des Artillery Sergeant Foley in „Ein Offizier und Gentleman“ den Oscar als bester Nebendarsteller. 

Die DVD ist wie geschaffen für die zeitgemäße Präsentation von Klassikern. Das alte Filmmaterial wird digitalisiert, der Sound erhält ein Surround-Format: So werden auch Filme, die bereits mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel haben, zu Krachern eines Heimkino-Abends – immer vorausgesetzt, die Filmgesellschaft ist gewillt, in diese Art des Digital-Recyclings ordentlich zu investieren.

Paramount zeigt mit seinen Special Collectors Editions, wie es geht: Zwei Blockbuster der 80er sind auf diese Weise wieder auferstanden. „Die Glücksritter“ (Trading Places) mit Dan Aykroyd und Eddie Murphy und „Ein Offizier und Gentleman“ (An Officer and a Gentleman) mit Richard Gere und Debra Winger. Beide Editionen umfassen zwei DVDs, auf denen neben den visuell und akustisch sehr ansehnlichen Hauptfilmen wirklich sehenswerte Extras präsentiert werden.

„Die Glücksritter“ war 1983 ein mehrfacher Glücksgriff. Der Film ist eine komische, aber auch bitterböse Gesellschaftssatire, in der zwei steinreiche Börsenmagnaten eine Wette abschließen – um einen Dollar. Gegenstand der Wette: Die Transformation eines hoffnungsvollen jungen Business-Löwen aus guter Familie in ein drogensüchtiges kriminelles Wrack und der Umbau eines Straßengauners ohne Manieren in einen erfolgreichen Geschäftsmann.

Dan Aykroyd, genialer Komiker und einer der beiden Blues Brothers, spielte den Business-Löwen. Der damals noch weitgehend unbekannte Eddie Murphy, nur einmal positiv aufgefallen in Walter Hills „Nur 48 Stunden“, gab den Straßengauner. Mittendrin kam noch Jamie Lee Curtis dazu, die damals als „Scream Queen“ tief in der Horror-Schublade steckte.

Dabei heraus kam ein grandioses Filmerlebnis, das auch heute noch beste Unterhaltung bietet. Und hier kommt die Special Collectors Edition von Paramount ins Spiel.

Fans, die den Film vor 25 Jahren gesehen haben, werden sich über die Extras freuen. Die Schauspieler und auch der Regisseur blicken aus heutiger Sicht auf ihr Werk zurück. Regisseur John Landis (von ihm stammen auch die Blues Brothers und der Comedy-Horror „American Werewolf“) gibt grinsend zu, dass er den Trick, mit dem Aykroyd und Murphy die beiden Magnaten am Filmende an der Börse ruiniert haben, bis heute nicht verstanden hat. Der Zuschauer, dem es ebenso geht, wird durch ein Börsen-Special erleuchtet.

Wesentlich melodramatischer kam 1982 „Ein Offizier und Gentleman“ daher. Richard Gere meldet sich freiwillig zur Fliegerschule der US Navy und wird von seinem Ausbilder, Louis Gossett Jr. in seiner besten Rolle, von einem verantwortungslosen Penner zum Anführer geschliffen.

Dieser Film polarisierte: Die Meinungen reichten von „typische Hollywood-Schnulze“ bis zu „romantisches Drama“. Wie auch immer: „Ein Offizier und Gentleman“ war nominiert für sechs Oscars und erhielt zwei – einen für Louis Gossett Jr. als bester Nebendarsteller und einen für den Titelsong „Up were we belong“, gesungen von Jennifer Warnes und Joe Cocker.

Auch wenn viele Damen empört protestieren werden – Louis Gossett Jr. bot die bei weitem beste und interessanteste schauspielerische Leistung dieses Films. Mitreißend spielte erden knallharten Schinder, der sich am Ende als gerissener psychologischer Taktiker entpuppt.

Die auch hier hervorragenden Extras beleuchten diese Rollen intensiv. Louis Gossett Jr. wurde von Lee Ermey auf seine Rolle vorbereitet. Ermey ist eine Legende: Er gehörte als Soldat dem Marine Corps an, wurde aber als Schauspieler unsterblich, indem er in Stanley Kubricks „Full Metal Jacket“ in bis heute unerreicht glaubwürdiger Weise einen Ausbilder, Gunnery Sergeant Hartman, spielte.  

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Little Britain

Britischer Humor auf DVD – dazu fallen dem Cineasten spontan zwei Stichworte ein: Die geniale Serie „The Office“ inspirierte deutsche Drehbuchautoren zur Erschaffung von Stromberg, der trotz unbestreitbarer Qualitäten nie den Witz des Originals erreicht hat.

Darüber schweben Monty Python, deren Brillianz sogar in den Sprachgebrauch einfloss. Besonders schräger oder derber Humor gilt seitdem als „pythonesk“. Es ist für jede neue britische Comedy-Produktion sehr schwer, aus dem Schatten dieser beiden großen Vorbilder zu treten. „Little Britain“ hat es geschafft. Die DVD-Box von Polyband Medien mit der ersten Staffel dieser aberwitzigen und skurrilen Comedy aus dem Königreich ist seit dem 15. Juni im Handel.

„Ohhh Großbritannien, Land technischer Errungenschaften. Wir haben seit zehn Jahren fließend Wasser, einen unterirdischen Tunnel, der uns mit Peru verbindet, und wir haben die Katze erfunden. Aber keine dieser Erfindungen wäre möglich gewesen ohne die wunderbaren Menschen in diesem Land, und genau die wollen wir heute einmal näher betrachten..“ Mit diesen Worten eines unsichtbaren Erzählers beginnt jede Folge von „Little Britain“.

Zu diesen „wunderbaren Menschen“ gehören Ghetto Chick Vicky Pollard, bei der man nie weiß, ob ein „Ja“ jetzt ein „Nein“ ist und umgekehrt; Daffyd Thomas, der sich standhaft für den einzigen Schwulen in seinem walisischen Heimatdorf hält, Sebastian Love, Assistent des Premierministers und in denselbigen verknallt, oder die bösartige Diätkurs-Leiterin Marjorie Dawes; der etwas zu männlich wirkende Transvestit Emily Howard und natürlich der aufopfernde Lou und sein (zumindest zeitweise) an den Rollstuhl gefesselten Freund Andy.  

Die Autoren und Hauptdarsteller Matt Lucas und David Walliams sind die Erfinder und Hauptdarsteller von „Little Britain“. Im Jahr 2001 starteten sie im Radio (BBC Radio 4), und ab 2003 begann der Siegeszug der Serie im Fernsehen. Ingesamt drei komplette Staffeln und das Special „Little Britain abroad“ wurden mit großem Erfolg von der BBC ausgestrahlt.

Mittlerweile war die Sendung, die mit dem British Comedy Award, der Goldenen Rose von Luzern und 2006 mit dem Emmy ausgezeichnet wurde sowie viele weitere Preise einheimste, auch schon in England und Australien live zu erleben. In restlos ausverkauften Hallen tauchten während der „Little Britain live“-Tournee Robbie Williams in Frauenkleidern und Kate Moss als Freundin von Vicky Pollard auf.

Um wahren Fans die größte Sorge zu nehmen: Die Originaltonspur ist auch auf der in Deutschland erscheinenden DVD enthalten, samt englischen und deutschen Untertiteln.Um Qualität und Anspruch an die deutsche Synchronisation zu gewährleisten, wurden germanische Comedy-Kaliber angefragt: Oliver Kalkofe und Oliver Welke sind die deutschen Stimmen von Matt Lucas und David Walliams. Beide sind selbst leidenschaftliche Fans des britischen Originals und arbeiteten an dem Dialogbuch für die deutsche Fassung mit.

Lucas und Walliams haben mit „Little Britain“ ein detailverliebtes Paralleluniversum geschaffen. In ihm leben merkwürdige Exzentriker, charmante Wahnsinnige und soziale Außenseiter. Mit immer wiederkehrenden Charakteren greifen die beiden gängige Klischees auf und zeichnen ein schräges Bild vom Alltag der Briten. Das hemmungslose Sketch-Bombardement ist mittlerweile längst über die Grenzen Großbritanniens zum Kult avanciert und ein Meilenstein internationaler Comedy, was viele Auszeichnungen belegen.

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Hammer Horror Box

Man sollte schlecht gelaunte ägyptische Prinzessinnen besser in Frieden ruhen lassen: „Das Grab der blutigen Mumie“.

Die Hammer-Studios sind eine Legende in der Welt des Film-Horrors – eine Legende, die bedauerlicherweise und vollkommen unverdient in Vergessenheit geraten ist. Denn die Horrorfilme, die von Hammer in London in den 60ern und frühen 70ern produziert worden sind, gehören zu den absoluten Klassikern, haben eine Generation von Kinogängern gleichzeitig erschreckt und begeistert und sind auch heute noch absolut sehenswert. Kinowelt präsentiert vier Hammer-Klassiker in einer DVD-Box: „Das Grab der blutigen Mumie“ (Blood from the Mummy’s Tomb), „Frankensteins Schrecken“ (The Horror of Frankenstein), „Dracula – Nächte des Entsetzens“ (Scars of Dracula) und „Nur Vampire küssen blutig“ (Lust for a Vampire).

Schon die Titel sagen deutlich aus, was man vor fast vier Jahrzehnten unter dem Thema „Horror“ verstanden hat. Damals lagen die absoluten Tabubrecher noch in der Zukunft. Der Kinogänger wurde noch nicht mit Aliens konfrontiert, die sich durch ihre bedauernswerten Opfer hindurchfressen („Alien“), und auch George A. Romeros drastisches Werk „Die Nacht der lebenden Toten“ (Night of the living Dead, 1968) war nur ein wenigen Insidern bekannter Geheimtipp und noch Lichtjahre vom heutigen Weltruhm entfernt. Stichworte wie Slasher (Freitag der 13., Halloween) oder Splatter (Dawn of the Dead) waren noch unbekannt.

 

Er ging oft in Flammen auf, zerfiel zu Asche und kam doch immer wieder: Mit der Rolle des Dracula wurde Christopher Lee unsterblich.

Die Filmemacher orientierten sich in dieser Zeit an den Eckpfeilern des antiken Horror-Kinos, die bereits seit den 20ern und 30ern ihr Publikum fanden: Das Monster von Frankenstein. Die Mumie. Die Kreatur aus der schwarzen Lagune. Und an der Spitze der Horror-Hitparade: Dracula. Mit der Darstellung des Königs der Blutsauger wurde Christopher Lee unsterblich. Falls jemand übrigens die Horror-Filme dieser Ära aufgrund ihres Alters für harmlose Kindergeburtstage halten sollte, der sei gewarnt: Bei Hammer ging es hart zur Sache. Die Streifen sind auch heute noch frei ab 16.

Die vier Filme der Hammer-Horror-Box sind typische und deshalb absolut kultige Vertreter ihrer Epoche. Der beste Film der Box ist ganz eindeutig „Dracula – Nächte des Entsetzens“, in der Christopher Lee zu schauriger Hochform auflief. Der Inhalt ist dabei eigentlich irrelevant und auch vorhersehbar: Simon Carlson macht sich gemeinsam mit seiner Verlobten Sarah auf die Suche nach seinem Bruder Paul, der auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Pauls Spur führt in das abgelegene Schloss des Grafen Dracula, der eine außergewöhnliche Vorliebe für frisches Menschenblut entwickelt hat. Die mörderischen Absichten des untoten Aristokraten werden bald offensichtlich. Der Film lebt nicht von der halbseidenen Story, sondern von seinen starken Einzelszenen. Wenn Lee die Zähne blitzen lässt, kommt Freude auf.

Fazit: Hammer-Filme hatten wohl nie eine Chance, den Drehbuch-Oscar zu gewinnen, sind aber ein Stück Zeitgeschichte für Cineasten und schlagen locker 80 Prozent der heute aktuellen geist- und niveaulosen Brutalo-Produktionen aus dem Rennen.

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Deutschland. Ein Sommermärchen.

Klinsi, der Motivator: „Die stehen mit dem Rücken zur Wand. Jungs, ich schwör’s euch, die packen wir.“

Philipp Lahms herrliches Eröffnungstor gegen Costa Rica. Oliver Neuvilles Treffer in letzter Sekunde gegen Polen. Das großartige Viertelfinale gegen Schweden mit einem entfesselten Lukas Podolski. Der Elfmeter-Krimi gegen Argentinien und das tränenreiche Halbfinale gegen den späteren Weltmeister Italien. Stationen und Momentaufnahmen der Fußball-WM 2006.

Einen solchen Sommer hatte Deutschland nicht erwartet. Der Kampfgeist der deutschen Fußball-Nationalelf bei der WM entfachte eine unglaubliche Begeisterung in den Stadien und auf den Straßen ebenso wie in den Kneipen und Wohnzimmern. Millionen von Fans fieberten mit der Mannschaft, aber keiner war näher dran als Sönke Wortmann.

Mit seiner Handkamera folgte der Regisseur den WM-Helden bis in die Kabine, filmte Klinsmanns mitreißende Motivationsansprachen, die Freudenfeiern, aber auch die Tränen der Spieler nach dem verlorenen Halbfinale. Das Ergebnis ist ein intimes und emotionales Porträt einer Mannschaft und ihres Trainers, die für einen Traum über sich hinauswuchsen.

Rund vier Millionen Kino- und über zehn Millionen Fernsehzuschauer ließen sich von „Deutschland. Ein Sommermärchen“ begeistern und machten den im Auftrag des WDR produzierten Sönke-Wortmann-Film zur erfolgreichsten Dokumentation, die je in Deutschland gezeigt wurde. Doch auch wer diesen Film im Kino gesehen, im Fernsehen aufgezeichnet und mittlerweile geradezu auswendig gelernt hat, sollte einen Blick auf die DVD-Special-Edition von Kinowelt werfen.

Die beiden Scheiben glänzen mit einer Fülle bisher unveröffentlichten Bonusmaterials. Allein über 105 Minuten nicht verwendeter Szenen verraten, was der Film offen ließ. Ein Audiokommentar von Sönke Wortmann und Bastian Schweinsteiger, Bilder der Kinopremiere, ein Beitrag über die Trainingsvorbereitungen der deutschen Nationalmannschaft und vieles mehr lassen jeden Fan voll auf seine Kosten kommen.

Die offenen Aussagen der Spieler, die sich extrem vom üblichen Nach-dem-Spiel-Interview („Wir müssen jetzt ganz klar den Blick nach vorne richten“ und andere verbale Luftnummern) abheben, kennzeichnen das „Sommermärchen“.

So hört man beispielsweise Michael Ballack zum ersten Mal unverblümt sagen, dass er beim Eröffnungsspiel gerne gespielt hätte und sich fit gefühlt hätte, aber die Ärzte und Trainer anderer Meinung waren.

Als besonderes Extra enthält die Special Edition eine Originalkopie des Zettels, den Torwart Jens Lehmann beim Einzug der Deutschen Nationalmannschaft ins Halbfinale in seinem Stutzen trug. Das kostbare Stück Papier wurde von der EnBW Energie Baden Württemberg AG zur Verfügung gestellt, die es am 16. Dezember 2006 zugunsten der Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ ersteigert hatte.

Auch Kinowelt setzt sich mit der DVD für das Wohl von Kindern ein. Mindestens ein Euro jeder verkauften DVD wird der gemeinsamen Event-Kampagne der SOS-Kinderdörfer und der FIFA, „6 Dörfer für 2006“, zu Gute kommen.

Fazit: Im Fall des „Sommermärchens“ ist dort, wo Special Edition draufsteht, auch tatsächlich eine Special Edition drin. Diese DVD erweitert den bereits im Kino und/oder Fernsehen erlebten Film deutlich und gehört in das Archiv eines jeden Cineasten, der sich auch nur entfernt für Sport oder Dokumentationen interessiert. Am besten stellt man die Box im Regal gleich neben das „Wunder von Bern“.

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Walk the Line

1968 spielte Johnny Cash (Joaquin Phoenix) im Folsom-Gefängnis. Dieses legendäre Konzert war ein Symbol seiner Musik, in der er vom Kampf ums Überleben, von Kummer und Not sang. So wurde Cash zu einem der erfolgreichsten Musiker aller Zeiten.  

1955 betrat ein hagerer Gitarrenspieler, der sich J.R. Cash nannte, die Studios von Sun Records – einem Label, das bald Berühmtheit erlangen sollte. Da er mit Gospel-Songs beim Plattenboss nicht ankam, schaltete er auf eigene Stücke um. Mit seinen treibenden Akkorden, einer enormen Intensität und einer Stimme, die so tief und schwarz war wie die Nacht, trug Cash emotionale Songs vor, die vom alltäglichen Überlebenskampf, von Kummer und seelischer Not handelten. Songs, die mutig, lebensnah und völlig anders waren als alle Musik vorher.

„Walk the Line“, seit dem 4. Dezember als Single und Special Edition von 20th Century Fox erhältlich, ist weit mehr als ein Musik-Film. Regisseur James Mangold hat aus der Biografie von Johnny Cash ein bewegendes Drama mit zwei genialen Hauptdarstellern gemacht. Es unterstreicht die Leistungen von Reese Witherspoon (June Carter), die einen Oscar erhielt, und von Joaquin Phoenix, dass sie ihre Parts selbst gesungen haben.

Während er einen völlig neuen Sound schuf, der kommenden Rock-, Country-, Punk-, Folk- und schließlich auch Rapstars den Weg bahnte, war Cash alles andere als ein in sich ruhender Erfolgsmensch. Er wurde drogenabhängig, vernachlässigte seine Familie, litt unsagbar unter einem Trauma aus seiner Kindheit, das der schreckliche Unfalltod seines Bruders an einer Kreissäge ausgelöst hat, und scheiterte immer wieder daran, June Carter von seiner Liebe zu ihr zu überzeugen. Doch das Happy End lieferte in diesem Fall kein Drehbuchautor, sondern die Realität. Cash wurde vom selbstzerstörerischen Popstar zum ikonenhaften „Man in Black“. Er stellte sich dabei seinen Dämonen, kämpfte für die Liebe, die ihn auffing und rettete, und lernte, wie er auf dem hauchdünnen Grat zwischen Zerstörung und Erlösung gehen musste. Cash wurde zum Giganten seiner Zeit, er verkaufte mehr Platten als die Beatles.

„Walk the Line“ fängt die Atmosphäre dieser frühen Jahre des Musik-Business hervorragend ein. Keine Light-Show, keine Technik, keine Tänzer – nur ein Mann mit einer Gitarre, der seine Seele entblößt. Dieser Film ist tief unter die Haut gehendes großes Kino.

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X-Men III: Der letzte Widerstand

 

Halle Berry ist Storm: Die mit Blitzen um sich werfende und Orkane herbeirufende Dame gehört zu Charles Xaviers X-Men – und damit zu den Guten.

 Superhelden sind seltsam. Bis heute hat noch niemand nachvollziehbar erklären können, wieso ein übermächtiger, fliegender, unverwundbarer Außerirdischer mit roter Unterhose über dem blauem Strampelanzug mit einem großen „S“ auf der Brust durch die Gegend schwirrt – und wieso trotz mehrfacher Schallgeschwindigkeit seine Frisur dabei wie in Beton gegossen scheint. Doch Superman gehört zum Verlagshaus DC, die X-Men dagegen sind Helden aus dem Hause Marvel. Und dieses Haus verleiht seinen Superhelden einen erwachsenen Kontext.

Denn die X-Men sind keine fliegenden Gutmenschen und Mega-Helden außerhalb jeder moralischen Einordnung oder Gesetzgebung. Im Gegenteil. Zwar können auch die X-Men fliegen. Oder teleportieren. Oder rote Blitze aus ihren Augen schießen. Oder mit riesigen Krallen sogar Stahl zerfetzen. Aber sie werden nicht gefeiert oder verehrt, weil sie solche tollen Sachen können. Sondern ausgegrenzt, bedroht und sogar verfolgt. Das ist dann auch das Hauptthema des dritten X-Men-Films. Untertitel: Der letzte Widerstand. Die DVD der 20th Century Fox ist als Single und Special Edition am 23. Oktober erschienen. Das Marvel-Universum hat eine einfache Erklärung für die Existenz von Superhelden: genetische Weiterentwicklung. Evolution. Aus dem Homo Sapiens wird ein Homo Superior. Die Reaktion der Gesellschaft auf die übermächtigen Wesen hat nichts mit Superman-ähnlicher Bewunderung oder Anbetung zu tun.

Die „Mutanten“, so werden die Superhelden im Marvel-Universum genannt, machen den Menschen Angst. Schließlich könnten sie ihre Macht jederzeit dazu nutzen, die Welt zu beherrschen und die normale Menschheit zu versklaven.

Von derartigen Plänen will Professor Charles Xavier nichts wissen. Der glatzköpfige Gelehrte, gespielt von Enterprise-Captain Patrick Stewart, ist Super-Telepath, außerdem Gründer und Anführer der X-Men und hat nichts anderes im Sinn, als die Kräfte seiner Schüler und seine eigenen zum Wohl der Menschheit zu nutzen. Was natürlich niemand versteht, deshalb leben die X-Men zurückgezogen in ihrem abgelegenen Schulkomplex.

Doch es gibt auch böse Mutanten. Deren Chef heißt Magneto, ein netter älterer Herr mit einem lustigen Kostüm. Doch Magneto ist weder nett noch lustig. Er kontrolliert alle Metalle, kann Büroklammern zu tödlichen Geschossen machen und 32-Tonnen-LKW wie Papierflugzeuge durch die Lüfte wirbeln. Magneto sammelt alle Super-Verbrecher und düsteren Mutanten-Charaktere um sich und erklärt der Menschheit den Krieg. Die Menschheit oder zumindest der Präsident der USA will seinerseits das Super-Gen der Mutanten deaktivieren und sie wieder zu Normalos machen. Das geht auch einigen X-Men zu weit, schließlich sind ihre Kräfte ein Teil von ihnen. Besonders Wolverine, von Hugh Jackman gespielter populärster und gewalttätigster X-Man, hat damit seine Probleme.

Es kommt zu einem gewaltigen Showdown. Die US-Armee, Magnetos Truppe und die X-Men treten an zum letzten Kampf, der alle Kämpfe beenden soll. Dazu sagt Professor Xavier: „Ich vermag nicht zu sagen, ob ein Sieg möglich ist.“

Was man aber sagen kann: X-Men III ist hervorragendes, technisch perfektes Action-Kino mit einer für dieses Genre nicht selbstverständlichen Tiefe.

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Die Reise der Pinguine

Die Antarktis ist der lebensfeindlichste Raum des Planeten. Durch diese eisige Hölle ziehen alljährlich die Kaiserpinguine zu ihren Brutplätzen. Bei Temperaturen von bis zu minus 40 Grad und Stürmen, die brüllend mit 250 Stundenkilometern übers Eis rasen, kämpfen die Pinguine ums Überleben und den Fortbestand ihrer Spezies.

Der Franzose Luc Jacquet und sein Team haben die Pinguine ein Jahr lang beobachtet und gefilmt. Die Dokumentation „Die Reise der Pinguine“ ist die Verfilmung eines biologischen Wunders, illustriert durch herrliche Landschaftsaufnahmen. Außerdem ist der Oscar-prämierte Film die erfolgreichste Doku, die je in deutschen Kinos lief. Kinowelt bringt den harten Kampf der Kaiserpinguine als Single und Special Edition auf DVD.

Es scheint tatsächlich ein Wunder zu sein, dass die Pinguine ihre Brutplätze überhaupt orten und erreichen können. Die Antarktis ist wahrhaftig kein Ort für Spaziergänge, und an Land sind die Pinguine ebenso beweglich wie ein englischer Butler mit zwei vollen Tabletts auf den Armen. Wochenlang marschieren die Karawanen durch die weiße und tödliche Landschaft. Und wenn sie ihre Brutplätze tatsächlich erreicht haben, fangen die Probleme erst an.

Denn dann ist Paarungszeit. Das Weibchen legt nur ein einziges Ei, übergibt dieses dem Männchen und wandert danach zum Meer zurück, um endlich wieder Nahrung zu finden. Denn an den Brutplätzen gibt es nur Schnee, der den Tod durch Verdursten verhindert. Schon diese Übergabe ist ein Meisterstück der Koordination, denn ist das Ei nur wenige Sekunden ungeschützt den mörderischen Temperaturen ausgesetzt, hat der sich darin befindende Nachwuchs keine Chance. Das Männchen brütet das Ei aus, Madame kommt vom Ozean zurück und nimmt Junior wieder unter ihre Fittiche, was ein zweites Mal meisterhafte Koordination erfordert. Dann ist Papa dran und darf zum Essenfassen Richtung Ozean wandern.

Luc Jacquet war sich darüber im Klaren, dass das Dasein der Kaiserpinguine, so faszinierend es aus biologischer Sicht auch ist, nicht die Dramaturgie eines abendfüllenden Films besitzt. Also verlieh er seinen Hauptdarstellern Stimmen und ließ sie selbst von ihrem harten Leben, den Gefahren und Strapazen erzählen. Das Ergebnis ist beste und bewegende Unterhaltung, lehrreich und familientauglich. Übrigens: Die Dreharbeiten dauerten auch deshalb so lange, weil Jacquet die Pinguin-Kolonie nicht erschrecken oder aus ihrem Rhythmus bringen und damit den Nachwuchs gefährden wollte.

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Silent Hill

Wenn Unschuldige durch die Hölle gehen: Rose (Radha Mitchell) sucht ihre Tochter.

Die Hölle ist eine subjektive Angelegenheit, lehrt die klassische Schauer- und Horror-Literatur von Dantes Inferno bis zu Clive Barker. Jeder erlebt seine persönliche, eigene Hölle – ein logisches Konzept, denn jeder definiert die Schrecken der Hölle anders. Der eine schmort im ewigen Feuer und wird von einer gehörnten Gestalt mit einem Dreizack gepiekst, der andere muss immer wieder einen Stein einen Berg hinauf rollen. Im sicheren Bewusstsein, dass er kurz vor Erreichen des Gipfels wieder herunterrollt.

Die Subjektivität der Hölle ist auch das zentrale Thema von Silent Hill, im Verleih von Eurovideo vor kurzem auf DVD erschienen. Der Zuschauer kann sofort wieder vergessen, dass Silent Hill ursprünglich ein Computerspiel war und der Film erst später kam. Denn Silent Hill ist ein völlig eigenständiger, hervorragend gemachter Horror-Film mit einer wahrhaft düsteren Geschichte, die noch erschreckender ist als die drastischen Bilder.

Der Inhalt: Roses (Radha Mitchell) Adoptivtochter Sharon (Jodelle Ferland) wird von schrecklichen Albträumen geplagt. Sie schlafwandelt, bringt sich dabei in Lebensgefahr und ruft immer wieder den Namen eines mysteriösen Ortes namens Silent Hill. Gegen den Willen ihres Mannes Christopher (Sean Bean) fährt Rose mit Sharon nach Silent Hill, um die Ursache der Albträume herauszufinden. Kurz vor dem Ziel verliert sie jedoch die Kontrolle über ihren Wagen und verursacht einen Unfall, durch den sie in eine tiefe Ohnmacht fällt. Als Rose wieder erwacht, ist Sharon spurlos verschwunden.

Doch wo genau ist Rose wieder erwacht? Sie hat die Kleinstadt Silent Hill gefunden, das beweist das Ortsschild. In einem düsteren Zwielicht liegt das Städtchen verlassen da, und vom Himmel fällt Asche. Darüber könnte man sich natürlich wundern, aber Rose denkt nur an ihre kleine Tochter und macht sich auf die Suche – die sie direkt in die Hölle führt. Denn Silent Hill ist als Erscheinungsform der Hölle hervorragend geeignet.

Nach und nach erfährt der Zuschauer, dass der kleine Ort früher eine Bergwerksstadt war, bis ein gigantisches Feuer ausbrach und die meisten Einwohner tötete. Heute ist Silent Hill Sperrgebiet, denn die unterirdischen Feuer wüten noch immer und verpesten die Luft an der Oberfläche. Je tiefer Rose in Silent Hill eindringt, um so deutlicher wird klar, dass hier Dinge geschehen, die wesentlich schlimmer sind als ein Grubenfeuer. Auf ihrer Suche nach Sharon trifft Rose auf monströs deformierte Wesen und überlebt nur durch die Hilfe von Polizistin Cybil (Laurie Holden), die es ebenfalls in die Höllen-Stadt verschlagen hat.

Die beiden taffen Frauen schlagen und ballern sich durch, doch als sie das kleine Mädchen inmitten einer Gruppe anderer Überlebender – so scheint es zumindest – finden, wird Silent Hill endgültig zur Hölle. Und auch für die Unschuldigen gibt es keinen Ausweg mehr. Silent Hill ist ein klassischer Horror-Film mit dem Verlust der Unschuld als zentralem Thema. Die Bildersprache ist jedoch absolut modern, mitreißend und zutiefst erschreckend – nicht aufgrund der gezeigten Gewalt, die eher eine Nebenrolle spielt, sondern wegen hervorragender Darsteller und einer Story, die auf typische Horror-Klischees verzichtet und durch ihre Konsequenz – es gibt kein Happy End – beeindruckt.

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Mission Impossible III

Es muss doch wirklich total frustrierend sein, von seinem Arbeitgeber ständig mit Aufträgen bombardiert zu werden, deren Erfüllung eigentlich unmöglich ist. Tom Cruise ist das gewohnt. Zum dritten Mal tritt er als Agent Ethan Hunt zur Mission Impossible an.

Paramount hat die Verleih-DVD am 5. Oktober veröffentlicht, die Verkaufs-Versionen (Single und Special Edition) folgen am 23. Oktober.

Die dritte unmögliche Mission bietet genau die Spezialitäten, die auch bereits die Teile eins und zwei zu Erfolgen werden ließen. Der Film lässt es krachen, die Action ist in der Tat bombastisch. Dazu kommen über den gesamten Globus verteilte Szenarien von Berlin über den Vatikan bis nach Shanghai und die höchste Trumpfkarte dieses Films – der Bösewicht, der Boss-Gegner, die Nemesis des Hauptdarstellers. Philip Seymour Hoffman spielt den sadistischen Waffenhändler Owen Davian absolut überzeugend und erinnert an die großen Bond-Gegner in den besten Zeiten der 007-Serie. Hoffman bekam 2005 den Oscar für seine Darstellung des Truman Capote – absolut zu Recht.

Doch zurück zu den unmöglichen Aufgaben des Tom Cruise. Diese sind inzwischen persönlicher Natur, denn Waffenhändler Davian hat es aus Rache auf Ethan Hunts Verlobte abgesehen – und außerdem natürlich auf eine ernste Störung des Weltfriedens, von der er enorm profitieren würde. Wieder einmal steht der arme Hunt vor quasi unlösbaren Problemen. Doch er hat Hilfe. Da wäre die Technik – die Gadgets des Ethan Hunt können auch James-Bond-erfahrene Zuschauer noch überraschen. Außerdem arbeitet Hunt nicht allein, in seinem Team findet man sowohl Lawrence Fishburn als Vorgesetzten und den genialen Hacker Luther, gespielt vom riesenhaften Ving Rames.

Keine Frage: Weder die Story noch die Dialoge gehören zu den zentralen Stärken dieses Spektakels. Dafür punktet Mission Impossible III mit soliden und spektakulären Action-Szenen und der herrlichen Abstrusität eines sinistren Bösewichts, der die Sicherheit der Welt bedroht. Der Charme des Films steht und fällt natürlich mit der Meinung, die der Betrachter von Tom Cruise hat. Wenn man aber die Scientology-Kiste mal ausblendet, landet man bei unterhaltsamem und Genre-typischem Popcorn-Kino.

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Deadwood: Der dreckige wilde Westen

„Der Gute, der Böse und der Hässliche“ (The good, the bad and the ugly) – so lautete der Original-Titel des letzten Teils der Dollar-Trilogie. In Deutschland hieß dieses Meisterwerk des Italo-Westerns „Zwei glorreiche Halunken“. Glorreich kam in diesen Streifen allerdings niemand daher. Auch die Helden waren dreckig, unmoralisch und gewissenlos. Ein krasser Gegensatz zum John-Wayne-Western voller Edelmut, Tapferkeit und Hygiene.

Hygiene? Ein seltsames Stichwort für einen Western. Wer sich jedoch näher mit der Serie „Deadwood“ beschäftigt, sieht den Zusammenhang sofort. Der US-Bezahl-Sender HBO, der die Welt mit „Sex and the City“ beglückt hat, wagt es, das cineastisch gesehen mausetote Genre des Westerns wieder zu beleben – und zwar dreckiger als Clint Eastwood und Charles Bronson in ihren härtesten Zeiten. Doch trotzdem oder gerade deshalb ist „Deadwood“, in Deutschland als DVD-Box erhältlich, ein Tipp für Genre-Fans und Anhänger hervorragender Kulissen und glänzender schauspielerischer Leistungen.

Die Bühne von „Deadwood“ sind die Indianergebiete der Black Hills von South Dakota. General Custer hat gerade seine letzte Schlacht gegen die Sioux geschlagen. Da er dabei nicht besonders erfolgreich war, ist die Siedlung Deadwood generell nichts für Weicheier. Hier überleben nur die Härtesten, wobei sich dieses Attribut nicht nur auf ihre Schießkünste, sondern auch auf ihr Immunsystem bezieht. Denn in Deadwood ist alles dreckig. Die Straßen. Die Saloons. Und vor allem die Menschen – körperlich ebenso wie psychisch.

Es ist die Zeit des Aufbruchs und der Gier. Das reichste Goldvorkommen in der amerikanischen Geschichte zieht Abenteurer ins gesetzlose Niemandsland. Da wäre zum Beispiel Bordellbetreiber und Saloonbesitzer Al Swearengen. Er macht keinen Hehl daraus, was er in Deadwood will. Geld. Er nimmt die Goldsucher aus, die Spieler, die Händler und auch sonst jeden. Wer seinen Plänen im Weg steht, stirbt. Die für ihn anschaffenden Damen hält er wie Tiere und wirft sie den lediglich rudimentär zivilisierten Kunden vor. Für ihn ist Deadwood die Chance seines Lebens.

Dann wäre da Seth Bullock, ehemals Marshall in Montana. Er hat den Stern nieder gelegt, um mit seinem Partner in Deadwood einen Eisenwaren-Handel zu eröffnen. Bullock sieht auf den ersten Blick aus wie ein typischer Western-Gutmensch, und schnell ziehen kann er offenbar auch. Doch so richtig gut ist in Deadwood niemand. Schon die Eingangssequenz der ersten Deadwood-Folge macht das deutlich. Bullock, zu diesem Zeitpunkt noch Marshall, hält einen Pferdedieb in Gewahrsam. Als der Besitzer des Pferdes mit einer besoffenen Meute vor dem Gefängnis auftaucht und den Dieb lynchen will, hängt Bullock ihn kurzerhand selbst auf – schließlich ist nur er das Gesetz.

Deadwood hat auch Platz für typische Western-Legenden. Das legendäre Flintenweib Calamity Jane ist mit dabei, und auch Wild Bill Hickok, schießwütiger Revolvermann und Killer, landet im Goldsucherland. Hier hält sich Deadwood wie in vielen anderen Punkten auch an die Historie. Der echte Hickok wurde 1876 in Deadwood von Jack McCall getötet. Er schoss ihm von hinten in den Kopf.

Diese Rollen werden von ihren Darstellern nicht mit Stereotypen überhäuft, sondern mit Leben erfüllt. Nur selten muss ein Schuss fallen, wesentlich dramatischer sind die Charakter-Duelle mit Worten und Blicken. Hervorragendes Kino über die Grenzen des Western-Genres hinaus – auch wenn die Serie fürs Fernsehen produziert wurde.

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